BEI EXPERTEN NACHGEFRAGT
Bevorzugte Fette der Kaltmamsell - Streichfette und Öle
UNSERE EXPERTINNEN: Gudrun
Brand-Sardemann, Ernährungsmedizinische Beraterin, Med.-Wiss. Abteilung der
UNILEVER Deutschland GmbH in Hamburg.
Renate Krake, Leiterin der Versuchsküche der UNION
Deutsche Lebensmittelwerke GmbH in Hamburg.
Woraus bestehen Nahrungsfette und durch welche Merkmale unterscheiden
sie sich?
Brand-Sardemann: Die für die menschliche Ernährung geeigneten
Fette bestehen aus Glycerin und Fettsäuren, die sich nicht nur durch ihre Kettenlänge,
sondern auch durch ihren sog. Sättigungsgrad voneinander unterscheiden können. Es gibt
gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Der Anteil
dieser verschiedenen Fettsäuren in einem Fett bestimmt seinen Charakter, seine Eigenart
und seinen Gesundheitswert. Geht es also um den Einsatz eines Nahrungsfettes in der kalten
oder warmen Küche und damit um die Beurteilung seiner physikalischen Eigenschaften und
auch um seinen ernährungsphysiologischen Wert, stehen zwei Faktoren im Mittelpunkt: die
Art und der Anteil der verschiedenen Fettsäuren in einem Fett.
Kann man einem Fett ansehen, ob es beispielsweise relativ viele
gesättigte langkettige Fettsäuren enthält?
Brand-Sardemann: Ja, denn die Art und der Anteil der einzelnen
Fettsäuren in einem Fett ist auch verantwortlich für die Konsistenz. Je höher der
Anteil an ungesättigten Fettsäuren ist, umso weicher ist das Fett. Öl enthält z.B.
einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Dagegen ist ein Fett umso fester, je
mehr gesättigte Fettsäuren in ihm enthalten sind - Rindertalg und Kokosfett sind
beispielsweise bei Zimmertemperatur fest.
Welche Rolle spielt der Sättigungsgrad der Fettsäuren für den
küchentechnischen Einsatz eines Fettes?
Brand-Sardemann: Bei einer gesättigten Fettsäure wie der
Stearinsäure sind alle Kohlenstoffatome (C) mit je 2 Wasserstoffatomen (H) abgesättigt.
Bei der einfach ungesättigten Ölsäure sind 2 C-Atome eine Doppelbindung eingegangen,
weil 2 H-Atome in der Fettsäurekette fehlen. Die für den Menschen lebensnotwendige
zweifach ungesättigte Linolsäure verfügt demnach über 2 Doppelbindungen und in der
ebenfalls für den Menschen essentiellen dreifach ungesättigten Linolensäure finden sich
3 dieser Schwachstellen.
Krake: Im Grunde spielen die Fettsäurezusammensetzung und der
Sättigungsgrad für die Eignung von Nahrungsfetten in der Küche eine eher untergeordnete
Rolle, es sei denn, man setzt Fette mit hohem Gehalt an mehrfach ungesättigten
Fettsäuren über längere Zeit starker Hitze aus. Die Praxis zeigt, daß diese Fette vor
allem auch bei wiederholter Nutzung thermisch weniger belastbar sind als überwiegend
gesättigte Fette.
Brand-Sardemann: Sehr rasch reagieren mehrfach ungesättigte
Fettsäuren auch mit Sauerstoff, und d.h. für den Einsatz in der Küche, daß sich z.B.
ein unverschlossen aufbewahrtes Leinöl mit einem hohen Gehalt an Fettsäuren mit drei
Doppelbindungen (Li-nolensäure) relativ schnell im Geruch und Geschmack verändert. Je
mehr Doppelbindungen eine Fettsäure besitzt, desto leichter zerbricht die Kette an diesen
Stellen unter Hitze- und Sauerstoffeinfluß in kleinere Bruchstücke. Das Fett verdirbt
schneller.
Ist der Verzehr von ranzigem Fett schädlich?
Brand-Sardemann: Entscheidend ist die Konzentration der
Zersetzungsprodukte und wie empfindlich der einzelne Mensch auf sie anspricht. Wer aber
verzehrt schlecht riechendes und schmeckendes Fett? Wenn z.B. starke Gewürze den ranzigen
Geruch übertünchen, kann der Verzehr zu Erbrechen und Durchfall führen.
Ranziges Fett ist also harmloser als verschimmeltes Brot?
Krake: Ja, denn ranziges Fett ist nicht giftig. Aus toxikologischen
Gründen würde ein solches Fett nicht aus dem Verkehr gezogen, aber es schmeckt eben
einfach nicht mehr gut, und das schließt seine weitere Verwendung aus.
Wie sollte man mit verschimmelter Margarine oder Butter umgehen?
Krake: Da man dem Schimmel nicht ansieht, welche Substanzen er
enthält, sollte man alle verschimmelten Lebensmittel wegwerfen. Es reicht nicht, nur die
vom Schimmel befallene Schicht zu entfernen.
Wie lange sind Nahrungsfette haltbar?
Brand-Sardemann: Generell gültige Angaben zur Haltbarkeit lassen
sich nicht machen. Öle und Fette halten sich am längsten, wenn sie unter Ausschluß von
Luftsauerstoff und Licht aufbewahrt werden. In einem lichtundurchlässigen und
geschlossenen Behälter wird sich ein Pflanzenöl ein bis zwei Jahre ohne Geschmacks- und
Geruchseinbuße halten - auch bei Zimmertemperatur. Emulsionsfette wie Margarine und
Butter sollten auf jeden Fall im Kühlschrank aufbewahrt werden. Angebrochene Behältnisse
sind zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt. Auf allen Produkten ist ein
Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) angegeben. Bis mindestens zu diesem Zeitpunkt garantiert
der Hersteller die einwandfreie Qualität des Produkts, wenn es sachgemäß gelagert wird.
Krake: Tierische Fette werden übrigens trotz ihres hohen
Anteils an gesättigten Fettsäuren oft eher ranzig als pflanzliche Öle und Fette, weil
sie wenig natürliche Antioxidantien enthalten.
Sind naturbelassene Öle genauso lange haltbar wie industriell
bearbeitete?
Brand-Sardemann: Die Raffination von Ölen und Fetten verlängert
ihre Haltbarkeit kaum. In einem naturbelassenen Öl können jedoch noch bestimmte Stoffe
enthalten sein - Spurenelemente und Verunreingungen. Sie fördern den Oxidationsprozeß.
Hat der Eiweißgehalt von Emulsionsfetten küchentechnische
Konsequenzen?
Brand-Sardemann: Nicht jedes Emulsionsfett ist eiweißhaltig. Es
kommt bei der Margarine darauf an, ob sie Milchbestandteile, wie z.B. entrahmte
Frischmilch oder Sauermilch enthält. Eiweißfreie Margarinesorten sind für Allergiker
geeignet, die entweder eine Milcheiweißallergie haben oder eine Laktoseintoleranz. Diese
Produkte bestreiten allerdings ein nur schmales Marktsegment. Die meisten Margarinesorten
sind eiweißhaltig, und die küchentechnische Konsequenz daraus heißt, wie bei der
Butter: Bräunung des Gargutes beim Erhitzen.
Was spricht für einen relativ hohen Wassergehalt in einem
Streichfett? Sättigt ein solches Fett schlechter?
Brand-Sardemann: Obgleich der Energiegehalt einer
Halbfettmargarine, die relativ viel Wasser enthält, im Vergleich zu Butter oder einer
Margarine mit 80% Fettgehalt, erheblich niedriger ist, sättigt sie nicht weniger gut.
Entsprechende Vergleichsstudien haben ergeben, daß dies für alle fettreduzierten
Produkte gilt - nicht nur für Streichfette. Tauscht man Vollfettprodukte wie Käse und
Wurst gegen fettreduzierte aus, erzielt man mit der gleichen Nahrungsmenge ein
vergleichbares Sättigungsgefühl. Um satt zu werden, muß man also nicht mehr von den
fettreduzierten Produkten essen.
Läßt sich die Forderung der Ernährungswissenschaft, weniger Fett
zu essen, auch auf Schulbrote anwenden?
Krake: Ja und nein, denn in erster Linie sollten Schulbrote
abwechslungsreich sein, appetitlich aussehen und auch dem persönlichen Geschmack des
Kindes entsprechen. Es reicht nicht, daß die Mutter das Brot für gesund hält, auch die
Wünsche des Kindes sollten beachtet werden. Beim Belag sind fettreduzierte Produkte für
viele Kinder sicher eine gute Alternative, aber man sollte ein Schulbrot auch einmal mit
Gemüse oder Salat garnieren. Wichtig ist in jedem Fall, ein geeignetes Streichfett zu
benutzen: Unter einen Belag, der Fette tierischer Herkunft enthält, empfiehlt sich
beispielsweise eine Pflanzenmargarine mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Ganz
generell sollte sparsam mit dem Fett umgegangen werden - beim Streichfett und vor allem
beim Belag.
Welche Produkte der kalten Küche sind die besten Fettverstecke?
Brand-Sardemann: Auf Käse fallen Verbraucher sicherlich am
häufigsten herein. Dabei spielt der Wassergehalt eine entscheidende Rolle: Je mehr Wasser
ein Käse enthält, umso weniger Fett ist im Endprodukt. Dies ist wichtig, um den
ausgewiesenen Fettgehalt verschiedener Käsesorten beurteilen zu können: Er bezieht sich
immer auf die Trockenmasse. 100 g Frischkäse mit 50% Fett in der Trockenmasse enthält
rund 24 g weniger Fett als ein sehr alter Gouda mit demselben Fettgehalt in der
Trockenmasse. Bei ihm bedeuten 50% F.i.Tr., daß von 100 g Käse 30 g Fett sind. 100 g
Gouda aber ißt ein Käseliebhaber sehr schnell auf. Käse belegt damit sehr eindrucksvoll
die Rolle des Fettes als Geschmacksträger.
Redaktion der Stichwortsammlung "Bei Experten nachgefragt":
Maria Hacks, Wissenschaftsverlag Wellingsbüttel GmbH, Hamburg
WEITERFÜHRENDE LITERATUR:
- Stichwortserie: Nahrungsfette und -öle, Hrsg.:
Margarine-Institut für gesunde Ernährung, 1996.
- Stichwortserie: Fett und Ernährung, Hrsg.: Margarine-Institut für
gesunde Ernährung, 1995.
- Bockisch, M.: Handbuch der Lebensmittel-Technologie - Nahrungsfette und
-öle, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1993.
- Ölpflanzen, Pflanzenöle, Margarine, Hrsg.: Margarine-Institut für
gesunde Ernährung, 1987.
- Rohwedder, D., Hacks, M.: Chemie und Physik in Küche und Ernährung,
Wissenschaftsverlag Wellingsbüttel, 1993.
- Fett in der Ernährung, Hrsg.: Lehrmittelverlag Wilhelm
Hagemann und Margarine-Institut für gesunde Ernährung, 5. Auflage, 1991.
|