BEI EXPERTEN NACHGEFRAGT
Hitze und Kochzeit im Auge behalten - Dünsten oder
Grillen - welches Fett wofür?
UNSERE EXPERTINNEN: Renate Krake, Leiterin der Versuchsküche der UNILEVER Deutschland GmbH in Hamburg.
Gudrun Brand-Sardemann, Ernährungsmedizinische
Beraterin, Med.-Wiss. Abteilung der UNILEVER Deutschland GmbH in Hamburg und
DGE-Mitarbeiterin.
Wie lange und wie stark lassen sich Nahrungsfette unbedenklich
erhitzen?
Brand-Sardemann: Die Verwendbarkeit und ernährungsphysiologische
Unbedenklichkeit eines Nahrungsfettes, das thermisch belastet wird, ist abhängig vom Grad
und der Dauer der Erhitzung, von der Häufigkeit der Wiederverwendung, von der Fettart und
vom jeweiligen Lebensmittel, das gegart werden soll.
Krake: Beim Grad und der Dauer der Erhitzung geht es vor allem
um das Fritieren, denn das liegt in der Natur der Sache: Man erhitzt relativ viel Fett und
taucht das Gargut meist nur kurz hinein. Dabei reduziert sich die Fettmenge, wenn man
sachgerecht fritiert, nur unwesentlich, so daß es erneut verwendet werden kann.
Was heißt sachgerechtes Fritieren?
Krake: Je nach Nahrungsgut muß man eine Kerntemperatur von 175 bis
190o C einhalten. Einen Camembert
beispielsweise, der nicht gegart, sondern nur erhitzt werden soll, fritiert man kurz bei
hoher Temperatur. Will man ein Nahrungsmittel nicht nur erhitzen, sondern garen, dauert es
etwas länger, und außerdem gilt: Je mehr Eiweiß ein Gargut enthält, desto niedriger
ist die optimale Fritiertemperatur.
Brand-Sardemann: Wichtig ist auch die optimale Füllung der
Friteuse.
Krake: Ja, der Fritiertopf sollte zu etwa einem Drittel mit Fett
gefüllt sein, denn ein zu hoher Pegelstand führt leicht zum Überschäumen. Ein
sachgemäßes Fritieren ist am besten in einer Friteuse möglich, die die Temperatur des
Fettes genau regelt, denn nicht nur zu Beginn des Fritierens, sondern auch bei den
folgenden Einlagen muß das Fett immer erst wieder auf die optimale Temperatur erhitzt
werden. Ist das Fett nicht heiß genug, kann es überschäumen, und das Fritiergut saugt
sich mit Fett voll, weil sich dann die Poren des Gargutes nicht schnell genug schließen.
Ein Überschäumen des Fettes läßt sich außerdem dadurch provozieren, daß zu viel auf
einmal fritiert wird oder sich während des Erhitzens von Paniertem oder von Teigen
Bestandteile lösen. Vernachlässigt man einen oder mehrere dieser Faktoren, die ein
sachgemäßes Fritieren charakterisieren, enthalten die Nahrungsmittel unnötig viel Fett
und das Fritierfett selbst verdirbt schneller.
Ist es wirklich so einfach, beim Fritieren Fehler zu vermeiden?
Krake: Das ist in der Tat simpel, wenn man sich bezüglich
Temperatur und Füllmenge an die Herstellerangaben hält. Dann ist es auch möglich,
nacheinander Gemüse, Fisch, Fleisch und Backwaren im selben Fett zu garen - ohne
Geschmacksübertragung von Gargut zu Gargut.
Wie unterschiedlich verhalten sich Emulsionsfette, reine Pflanzenöle
und weiße Plattenfette beim Erhitzen?
Krake: Weiße Fette und reine Pflanzenöle verhalten sich ähnlich.
Von den Emulsionsfetten beginnt Butter bei ca. 140o C zu bräunen, Margarine bei etwa 160o C.
Welche Eigenschaft des Milchfettes führt zum schnelleren Bräunen?
Brand-Sardemann: Die Anteile an Eiweiß und Kohlenhydraten führen
zur Bräunung. Fette, die diese Nährstoffe nicht enthalten, bräunen nicht und können
daher stärker, bis über 2000 C, erhitzt
werden.
Warum spritzen Emulsionsfette?
Brand-Sardemann: Unter Hitze zerfällt die Emulsion in ihre
Bestandteile. Das Fett schwimmt oben, das Wasser beginnt darunter zu kochen - dann spritzt
es. Deshalb wird vom Braten mit Halbfettmargarine, die ja relativ viel Wasser enthält,
abgeraten.
Was passiert beim Kuchenbacken mit Emulsionsfetten?
Krake: Beim Kuchenbacken werden Emulsionsfette weitestgehend
geschont, da die Kerntemperatur im Backgut sehr viel niedriger liegt als die
Umgebungstemperatur.
Welche Effekte will man mit erhitztem Fett generell erreichen?
Krake: Fett ist ganz generell der beste Geschmacksträger und
außerdem entstehen durch das Erhitzen von Gargut mit Fett gut schmeckende und riechende
Röststoffe.
Brand-Sardemann: Fett ist einerseits ein Medium, um Lebensmittel
zu garen, sie also zu braten, fritieren usw. Auf der anderen Seite intensiviert Fett aber
auch den Geschmack der Nahrungsmittel. Beim Abschmelzen spielen auch die im Fett selbst
enthaltenen Aromastoffe eine Rolle, denn sie bleiben unter niedrigeren Temperaturen besser
erhalten. Bei hohen Temperaturen dagegen ergibt sich der höchste Anteil an Aromastoffen
aus der Veränderung des Gargutes, der Krustenbildung.
Wie schädlich ist der Verzehr einer verbrannten oder verkohlten
Bratkruste?
Brand-Sardemann: Davon sollte man abraten. Bevor aber
gesundheitliche Schäden durch den Verzehr eines derart falsch behandelten Bratgutes
auftreten, sollten Geruch und Geschmack vor dem Verzehr warnen.
Was ist unter Rauch-, Flamm- und Brennpunkt zu verstehen?
Krake: Rauch-, Flamm- oder Brennpunkt sind Wertmaße für die
thermische Stabilität von Ölen und Fetten. Der Qualm- oder Rauchpunkt wird früh
erreicht - ihn riecht und sieht man, denn er ist als die niedrigste Temperatur definiert,
bei der sich flüchtige, gasförmige Zersetzungsprodukte schnell genug entwickeln, um
sichtbar zu werden. Beim Flammpunkt wird die Konzentration dieser Zersetzungsprodukte
über der Oberfläche so schnell erreicht, daß eine spontane Zündung möglich ist.
Von welchen Kriterien ist die thermische Stabilität eines Fettes
abhängig?
Brand-Sardemann: In erster Linie von der
Fettsäurenzusammensetzung. Für den Einsatz in der Küche ist wichtig zu wissen, daß
Fette mit hohem Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren nicht so hitzestabil
sind wie Fette mit hohem Gehalt an gesättigten Fettsäuren.
Krake: Das heißt aber nicht, daß Fette mit hohem Anteil an
mehrfach ungesättigten Fettsäuren z.B. nicht auf 180o C erhitzt werden können. Sie sind z.B. beim Fritieren nicht so oft
wiederzuverwenden, da sie schneller reagieren und sich verändern.
Brand-Sardemann: Man spricht von Polymerisation, wenn sich
Fettmoleküle in Kombination mit Luftsauerstoff unter starker Hitze zu größeren
Aggregaten vernetzen. Wenn die Fettmoleküle polymerisieren und das Fett dickflüssig
wird, ist das Fett verdorben. Dies passiert aber erst nach häufigem Gebrauch. Wird das
Fett jedoch nur einmal benutzt und nicht über sehr lange Zeit hohen Temperaturen
ausgesetzt, nimmt es keinen Schaden. Beim Schmoren brät man beispielsweise unter hohen
Temperaturen an, gießt dann aber Wasser zu und reduziert die Hitze.
Verlieren Fette mit hohem Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren
unter Hitze an Wert?
Brand-Sardemann: Nicht unbedingt, denn beispielsweise führt das
kurzzeitige Erhitzen eines hochwertigen Pflanzenöls kaum zu Linolsäureverlusten.
Welches Fett
für welchen Zweck?
|
Temperatur
in o Celsius |
Garmethode |
geeignetes Fett |
| um 100 |
Abschmelzen
Fett zu Gegartem |
Margarine
Butter |
| um 100 |
Dünsten
Garen im Saft |
Margarine
Butter |
| 160-200 |
Braten in der Pfanne
Bräunen mit
Krustenbildung |
Pflanzenhartfette
Pflanzenöle, Schlachtfette,
Margarine, Butter |
| 160-250 |
Braten im Ofen
Garen und Bräunen |
Pflanzenhartfette
Pflanzenöle |
| 180-200 |
Schmoren
Bräunen in Fett |
Pflanzenhartfette
Pflanzenöle
Margarine, Schmalz |
| 150-250 |
Backen
Garen und Bräunung |
Margarine, Butter
Schmalz, Pflanzenöle |
| 175-190 |
Fritieren
Ausbacken und Garen |
Pflanzenhartfette
Pflanzenöle, Schmalz |
| um 250 |
Grillen
Garen und Bräunen |
Pflanzenfette
Pflanzenöle |
Redaktion der Stichwortsammlung "Bei Experten nachgefragt":
Maria Hacks und Corinna Luerweg, Wissenschaftsverlag Wellingsbüttel GmbH, Hamburg
WEITERFÜHRENDE LITERATUR:
- Stichwortserie: Nahrungsfette und -öle, Hrsg.:
Margarine-Institut für gesunde Ernährung, 1996.
- Stichwortserie: Fett und Ernährung, Hrsg.: Margarine-Institut für
gesunde Ernährung, 1995.
- Bockisch, M.: Handbuch der Lebensmittel-Technologie - Nahrungsfette und
-öle, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1993.
- Ölpflanzen, Pflanzenöle, Margarine, Hrsg.: Margarine-Institut für
gesunde Ernährung, 1987.
- Rohwedder, D., Hacks, M.: Chemie und Physik in Küche und Ernährung,
Wissenschaftsverlag Wellingsbüttel, 1993.
- Fett in der Ernährung, Hrsg.: Lehrmittelverlag Wilhelm
Hagemann und Margarine-Institut für gesunde Ernährung, 5. Auflage, 1991.
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