BEI EXPERTEN NACHGEFRAGT
Butter und Schmalz, Grieben oder Speck - wie tierisch gut
sind sie?
UNSER EXPERTE: Prof. Dr. Sándor Molnár, Institut für Tierphysiologie und Tierernährung der Universität
Göttingen, u.a. Fachgruppenleiter der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF).
Welche verschiedenen Fette tierischen Ursprungs sind für die
menschliche Nahrung generell geeignet?
Molnár: Für die humane Ernährung kommen Schlachttierfette,
Milchfette, Seetieröle und in geringem Ausmaß auch Geflügelfette in Frage. Diese Fette
unterscheiden sich nicht nur bezüglich ihres Geschmacks und ihrer Konsistenz, sondern
auch qualitativ, wobei es darauf ankommt, ob das jeweilige Fett in den Handel gebracht
wird oder nicht. Ein Beispiel: Das ausgelassene Fett unserer zu Hause in Folie gebratenen
Weihnachtsgans ergab, wie eine Laboranalyse zeigte, eine Peroxidzahl von 20. Uns hat das
Gänseschmalz zwar gut geschmeckt und ist uns auch bekommen, aber es dürfte nicht
verkauft werden.
Warum war dieses privat hergestellte Gänseschmalz so stark belastet?
Molnár:Weil dieses Fett über längere Zeit sehr hohen
Temperaturen von etwa 2000 C ausgesetzt war,
konnte der Peroxidgehalt auf so bedenklich hohe Werte ansteigen.
Ist Schweineschmalz ähnlich problematisch belastet?
Molnár: Nein, es zeichnet sich durch eine wirklich gute Qualität
aus. Die Peroxidzahl liegt bei Schweineschmalz unter 1, denn es wird beim Auslassen bei
weitem nicht so erhitzt wie ein Gänsebraten. Läßt man frisches Gänsefett schonend
unter relativ geringer Hitze aus, gewinnt man ebenfalls ein völlig harmloses,
unbelastetes Schmalz von guter Qualität.
Spielt die Hitze auch bei der Butterherstellung eine unerfreuliche
Rolle?
Molnár: Nein, denn während des Herstellungsverfahrens muß sogar
gekühlt werden. Lediglich das Ausgangsprodukt Milch wird wärmebehandelt
(Pasteurisierung).
Wie unbedenklich sind die anderen zur Butterherstellung eingesetzten
technologischen Verfahren?
Molnár: Es gibt mehrere Verfahren, die zu unterschiedlichen
Buttersorten führen. Sie sind im Deutschen Milchgesetz verankert, wirken nicht schädlich
auf das Milchfett und verändern die Qualität der Butter nicht negativ. In Deutschland
wird heute hauptsächlich "mildgesäuerte" Butter hergestellt.
Was könnte die Industrie tun, um eine streichfähigere Butter
herzustellen?
Molnár: Die gesetzlichen Grenzen sind sehr eng gesteckt. Ein wenig
läßt sich die Streichfähigkeit technologisch über die Art des Auskristallisierens
steuern, und auch über die Fütterung lassen sich Effekte erzielen. So stammt die etwas
weichere irische Butter beispielsweise ausschließlich von Tieren, die immer draußen auf
der Weide gehalten werden.
Welche Auswirkungen hat ein Futter, das reich an mehrfach
ungesättigten Fettsäuren ist, auf die Butterkonsistenz?
Molnár: Das bringt nicht viel. Im Pansen der Milchkuh werden die
Fette zu fast 100% hydrogeniert, d.h. aus den im Weidefutter enthaltenen mehrfach
ungesättigten Fettsäuren wie Linol- und Linolensäure wird zunächst die gesättigte
Stearinsäure gebildet. Weil die Kuh mit einem solchen Körperfett steif wie eine Kerze
und bewegungsunfähig wäre, werden Doppelbindungen in die Stearinsäure eingebaut, damit
wieder flüssigere, ungesättigte Fettsäuren entstehen. Dabei handelt es sich jedoch kaum
um mehrfach ungesättigte, sondern vor allem um die einfach ungesättigte Ölsäure.
Körperfette von Landtieren bestehen immer, und zwar im deutlichen Gegensatz zu
Seetierölen, zu ca. 40% aus Ölsäure.
Wie erklärt sich dann die etwas weichere Konsistenz von Sommerbutter?
Molnár: Der Unterschied zur Winterbutter basiert auf einem etwas
höheren Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Weidefutter, die zu einem
gewissen Anteil im Pansen nicht zu Stearinsäure umgewandelt werden. Die Fütterung mit
Rapssaat, Vollfettsojabohnen oder Baumwollsaat führt übrigens wie das Gras der Weide zu
vergleichbaren Effekten.
Wie stark ist der Einfluß der Fütterung auf das Körperfett von
Tieren, die keinen Pansen haben?
Molnár: Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt, denn bei allen
Tieren ohne Pansen, bei denen also keine Bakterien vor der Verdauungsphase in Aktion
treten, läßt sich die Fettsäurezusammensetzung linear zum Futter beeinflussen. Bei
derartigen Maßnahmen geht es allerdings kaum um Streichfette, sondern um die sog.
versteckten Fette, die im Muskelfleisch der Tiere zu finden sind. Über das Füttern von
Sojaprodukten ist z.B. der Linolsäuregehalt von Schweinefett auf ca. 25% zu erhöhen. Ein
solches Fett muß aber schnell verzehrt werden, weil es durch den relativ hohen Gehalt an
mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor Oxidationsprozessen schlechter geschützt ist und
daher leicht verdirbt. Stellt man dennoch aus einem linolsäurereichen Schweinefett
Dauerwurst her, wird der Anschnitt immer ölig sein, was weder der Verbraucher noch die
Lebensmittelindustrie akzeptieren würden - ebensowenig einen öligen Speck. Insofern muß
man genau abwägen, wieviel Linolsäure Schweinefett enthalten darf - die gängige
Richtzahl liegt heute zwischen 10 und 12%. (s. Tab.)
Läßt sich die weiche Konsistenz von Gänseschmalz auch über das
Futter ändern?
Molnár: Sicherlich, aber Gänse werden überwiegend mit flüssigen
Fetten gefüttert - Getreidekeimöle enthalten bis zu 70% Linolsäure. In Gegenden von
starkem Maisanbau stellt sich diese Problematik auch bei Schweinen und den aus ihrem Fett
hergestellten Produkten.
Auf welche Art dürfen bei uns Fette tierischen Ursprungs bearbeitet
werden ?
Molnár: Abgesehen von den Möglichkeiten unterschiedlicher
Fütterungsmaßnahmen, relativ wenig. Dabei muß man auch berücksichtigen, daß Fette
tierischer Herkunft - einmal abgesehen von der Butter - über eine andere Schiene als das
Fleisch vermarktet werden, da es sich um nur sehr kleine Marktanteile handelt.
Schweineschmalz, Grieben und Speck werden überwiegend von Schlachtereien selbst
hergestellt und im eigenen Geschäft verkauft.
Wirken sich Fütterungsmaßnahmen auch auf den Geschmack von Fleisch
und Fett aus?
Molnár: Ja, denn Fett ist ja der Geschmacksvermittler schlechthin.
Würzt man beispielsweise das Futter eines Schweines vor der Schlachtung mit Knoblauch,
schmecken Fleisch und Fett dieses Tieres eindeutig danach. Das "Göttinger
Gewürzschwein" war dafür ein deutlicher und nachprüfbarer Beweis.
Welches zum Verkauf angebotene Tierfett enthält bei uns die meisten
Schadstoffe?
Molnár: Ganz gewiß jenes, das von Tieren stammt, die in einer
schadstoffbelasteten Umgebung aufwachsen. Das Körperfett dieser Tiere muß logischerweise
mit fettlöslichen Schadstoffen belastet sein, und diese Schadstoffe können auch nicht
eliminiert werden, da für die menschliche Ernährung zugelassene Fette tierischer
Herkunft industriell nicht wie pflanzliche Öle und Fette raffiniert werden dürfen - für
Tierfutter gelten diese, historisch bedingten, Regeln übrigens nicht. Kaum
schadstoffbelastet sind dagegen z.B. Hühner aus sog. Legebatterien, die den Schadstoffen
aus der Luft nicht ausgesetzt sind - sie legen die gesündesten Eier, wie zahlreiche
Untersuchungen belegen.
Wie gesund sind Seetieröle?
Molnár: Aus ernährungsphysiologischen Gründen sind die Öle von
Kaltwasserfischen recht gesund. Kein anderes Fett tierischer Herkunft enthält so viel
mehrfach ungesättigte Fettsäuren, und auch die für den Menschen essentielle
Eicosapentaensäure findet sich nur im Fett dieser Fische. Die Natur zwingt die Seefische
dazu, die Stearinsäure zu verlängern und weitere Doppelbindungen einzubauen, um den
Schmelzpunkt ihres Körperfettes so zu reduzieren, daß sie in ihrer kalten Umgebung
schwimmen können. Bei Lachs und Forelle, die sehr bewegungsintensiv sind, enthält das
Körperfett stattliche 38% an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, während sich beim
weniger aktiven Schaf nur maximal 3% Linolsäure finden. Eigene Untersuchungen an Fischen,
Schweinen, Kälbern und Geflügel belegen übrigens, daß die Fettsäuren bedarfsgerecht
und spontan umgewandelt werden.
Warum schmecken Fischöle so unangenehm tranig?
Molnár: Ganz frisch schmecken auch Fischöle nicht tranig. Ihr
hoher Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren läßt sie unter dem Einfluß von
Licht und Luftsauerstoff jedoch meist sehr schnell ranzig werden.
Fettsäure-Spektren
von Fetten tierischer Herkunft
(Durchschnittswerte in %)
|
|
gesättigt |
einfach
ungesättigt |
mehrfach
ungesättigt |
Milchfett
(Butter, Käse,
Sahne usw.) |
68 |
24 |
3 |
| Rindertalg |
49 |
42 |
5 |
| Schweineschmalz |
43 |
46 |
10 |
| Gänseschmalz |
28.5 |
58 |
13.5 |
| Lachs |
22 |
42 |
36 |
| Forelle |
28.6 |
33.3 |
38.1 |
| Makrele |
30.5 |
38.6 |
30.9 |
| Hering |
31.5 |
50 |
18.5 |
| Thunfisch |
36.1 |
24.2 |
39.7 |
Differenzen zu 100% = Trans-Fettsäuren in % |
|