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BEI EXPERTEN NACHGEFRAGT

SAFA, MUFA und PUFA - folgenschwere chemische Unterschiede

UNSER EXPERTE: Prof. em. Dr. med. Nepomuk Zöllner, Medizinische Poliklinik der Universität München.

 

Wodurch unterscheiden sich - rein chemisch gesehen - die für die menschliche Nahrung geeigneten Fette?

Zöllner: Fette sind Verbindungen zwischen Glycerin und je drei Fettsäuresorten. In einem Fettmolekül ist das Glycerin immer gleich, während die Fettsäuren in aller Regel verschieden sind. Man unterteilt sie, entsprechend ihrer Kettenlänge und ihres Sättigungsgrades, in gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Die Kettenlänge der gesättigten Fettsäuren in unseren Nahrungsmitteln reicht von C 4-C 18 und mehr; ernährungsübliche Fettsäuren können an ein, zwei oder drei Stellen ungesättigt sein. Fettsäuren mit mehr als einer dieser Stellen (Doppelbindung), werden auch als mehrfach ungesättigte Fettsäuren bezeichnet. Unterschiede zwischen Nahrungsfetten bestehen in der Zusammensetzung der in ihnen enthaltenen Fettsäuren.

Wie wirkt sich der Sättigungsgrad der Fettsäuren auf das jeweilige Nahrungsfett aus?

Zöllner: Davon hängt zunächst einmal das physikalische Verhalten der Fette ab. Bei Zimmertemperatur sind gesättigte Fettsäuren im allgemeinen fest - nur die kurzkettigen gesättigten Fettsäuren bleiben dabei flüssig. Die einfach ungesättigten Fettsäuren sind bei Zimmertemperatur flüssig, werden im Kühlschrank zwar nicht ganz fest, bilden aber nach einer Weile einen festen Kern. Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren bleiben auch unter Kühlschranktemperaturen flüssig. Der Sättigungsgrad der in einem Nahrungsfett überwiegend vertretenen Fettsäuren bestimmt den Schmelzpunkt des Fettes.

Welche gesättigten Fettsäuren spielen für die Ernährung die wichtigste Rolle?

Zöllner: Die in tierischen Fetten am häufigsten vorkommende gesättigte Fettsäure ist die Palmitinsäure, dann folgen Stearin- und Myristinsäure. Das ist wichtig zu wissen, weil die Myristinsäure, die reichlich in Butterfett und Kokosfett vertreten ist, eine Kettenlänge von nur 14 C-Atomen hat. Palmitinsäure hat 16 und Stearinsäure wie die meisten ungesättigten Fettsäuren 18 C-Atome.

Warum ist die Kettenlänge dieser gesättigten Fettsäuren so wichtig?

Zöllner: Weil sich durch die Zufuhr von Fettsäuren mit einer Kettenlänge von 12 bis 16 C-Atomen der Cholesterinspiegel am stärksten erhöht.

Warum ist der Sättigungsgrad der Fettsäuren so wichtig?

Zöllner: Bereits in den fünfziger Jahren haben zahlreiche Untersuchungen ergeben, daß die Wirkung von Nahrungsfetten auf das Serumcholesterin vom Grad der Ungesättigtheit der Fettsäuren abhängt, nicht aber von ihrer tierischen oder pflanzlichen Herkunft. Man erkannte, daß das LDL-Cholesterin durch die Aufnahme von linolsäurereichen Ölen am stärksten sinkt und durch die Zufuhr weitgehend gesättigter Fette ansteigt. Dabei wirken SAFA, d.h. saturated fatty acids oder gesättigte Fette, doppelt so stark erhöhend wie Linolsäure senkend.

Wie erklärt sich der cholesterinsenkende Effekt einfach ungesättigter Fettsäuren?

Zöllner: Die für die menschliche Ernährung wichtigste MUFA, d.h. mono unsaturated fatty acid oder einfach ungesättigte Fettsäure, ist die Ölsäure. Sie hat eine Kettenlänge von 18 C-Atomen und eine sog. cis-Doppelbindung am 9. C-Atom, weshalb sie auch n9-Fettsäure heißt. Untersuchungen aus den fünfziger Jahren von Keys, Hegstedt und anderen haben gezeigt, daß durch den Austausch gesättigter C-12 bis C-16-Fettsäuren gegen Ölsäure oder Kohlenhydrate das Serumcholesterin gleichermaßen sinkt. Eine stärkere Reduktion ist mit linolsäurereicher Kost zu erreichen. Man geht heute davon aus, daß sich die cholesterinspiegelsenkende Wirkung einer ölsäurereichen Nahrung durch die gleichzeitig verringerte Zufuhr von gesättigten Fetten erklärt - Ölsäure und Kohlenhydrate also neutral auf das Cholesterin wirken.

Kommen wir zu den PUFA...

Zöllner: ...den mehrfach ungesättigten Fettsäuren bzw. poly unsaturated fatty acids. Ihr wichtigster Vertreter in der menschlichen Ernährung ist die zweifach ungesättigte Linolsäure. Sie hat eine Kettenlänge von 18 C-Atomen mit jeweils einer Doppelbindung am 6. und 9. C-Atom. Die meisten pflanzlichen Öle enthalten Linolsäure und daher auch all die Produkte, die aus diesen Ölen hergestellt werden, wie z.B. Pflanzenmargarine.

Die Chloroplasten der Pflanzen - das sind kugelige Einschlüsse in Pflanzenzellen, die den grünen Farbstoff Chlorophyll enthalten - haben die Fähigkeit, auch dreifach ungesättigte Fettsäuren zu bilden. Dabei handelt es sich in erster Linie um a-Linolensäure.

Die anderen mehrfach ungesättigten Fettsäuren spielen in der Ernährung mengenmäßig - ca. 2% der Gesamtfettzufuhr - eine eher untergeordnete Rolle. Linol- und Linolensäure sind essentielle bzw. lebensnotwendige Nahrungsstoffe, die der Organismus nicht selbst herstellen kann, für seinen gesamten Stoffwechsel jedoch benötigt. Mangelerscheinungen wurden nur selten beobachtet.

Gibt es Unterschiede zwischen den von Pflanzen bzw. vom menschlichen Körper gebildeten ungesättigten Fettsäuren?

Zöllner: Warmblüter können z.B. aus Stearinsäure Ölsäure bilden, indem sie am 9. C-Atom eine Doppelbindung einfügen. In diese einfach ungesättigte Fettsäure können eine oder weitere Doppelbindungen eingebaut werden, allerdings nur in Richtung auf das Carboxylende der Kohlenstoffkette hin. Für den Stoffwechsel sind diese Doppelbindungen ohne Wert im Gegensatz zu den in Pflanzen oder Seefischen gebildeten w3- oder w6-Fettsäuren, die in Richtung Methylende liegen, das die physiologischen Eigenschaften der Fettsäuren bestimmt.

Verändert der Organismus auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren?

Zöllner: Ja, beispielsweise verlängert er die Kohlenstoffkette der Linolsäure von 18 auf 20 C-Atome, fügt zwei weitere Doppelbindungen ein und bildet so Arachidonsäure.

Was nützt diese Umwandlung?

Zöllner: Je längerkettig eine Fettsäure ist, desto stabiler steht sie dem Abbau im Stoffwechsel gegenüber. Das hat einen tiefen biologischen Sinn, und zwar die Verhinderung eines zu schnellen Abbaus von Fettsäuren in bestimmten Körperregionen, wie z.B. im zentralen Nervensystem.

Wieviel Gramm Linolsäure sollte unsere Nahrung pro Tag enthalten?

Zöllner: Die DGE empfiehlt 10 g/Tag, aber sie empfiehlt auch, nicht mehr als 30% der Energie als Fett aufzunehmen und davon 10 Energieprozent in Form von PUFA. Bei einem empfohlenen Verzehr von 60-80 g Fett/Tag wären dies 20-27 g PUFA, bei denen es sich zu 98% um Linolsäure handelt. Diese "Mehr"menge dient dazu, den cholesterinerhöhenden Effekt der SAFA zu bremsen.

Deckt eine abwechslungsreiche Kost diese 10 Energieprozent?

Zöllner: In erster Linie geht es um die Zurückdrängung von Butter und anderen Wiederkäuerprodukten in der Küche, beispielsweise um den Ersatz von Palmitinsäure. Es handelt sich also darum, weniger gesättigte Fette und stattdessen mehr pflanzliche Öle zu verzehren; dadurch läßt sich der Cholesterinspiegel senken. Ersetzt man Palmitinsäure durch Ölsäure, so ist Wesentliches gewonnen, und dies spricht für einen verstärkten Einsatz von Olivenöl. Besser ist es allerdings, wenn man Palmitinsäure durch Linolsäure ersetzt, weil dann die zusätzliche cholesterinspiegelsenkende Wirkung der Linolsäure eintritt. Öle mit einem hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie beispielsweise das Sonnenblumenöl, senken den Cholesterinspiegel stärker als Olivenöl mit seinem hohen Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren.

Fehlt uns etwas, wenn wir auf den Verzehr tierischer Fette verzichten?

Zöllner: Nein, dem Menschen genügen Pflanzenfette. Wir benötigen allerdings verschiedene Sorten pflanzlicher Fette, da Ölsäure allein nicht reicht und Kokosfett erst recht nicht. Unter unseren heutigen Lebensbedingungen können wir auf tierische Fette wohl kaum verzichten, vornehmlich allerdings aus kulinarischen Gründen. Man esse von tierischen Fetten so wenig wie tunlich, unterscheide aber zwischen tierischen Fetten, d.h. zwischen "eigentlichen tierischen Fetten", die aus dem Tierkörper stammen, und Milchprodukten von Rindern, aber auch von Ziegen und Schafen, also auch deren Käsesorten. Ich empfehle, Butter weitgehend durch pflanzliche Speiseöle und die aus ihnen hergestellten Produkte, wie Margarine, zu ersetzen. Beim Käse sollte man auf die fettarmen, klassischen Käsesorten zurückzugreifen.

Redaktion der Stichwortsammlung "Bei Experten nachgefragt":

Maria Hacks, Wissenschaftsverlag Wellingsbüttel GmbH, Hamburg

Bei Experten nachgefragt Kapitel IV

WEITERFÜHRENDE LITERATUR:

  • Stichwortserie: Nahrungsfette und -öle, Hrsg.: Margarine-Institut für gesunde Ernährung, 1996.
  • Stichwortserie: Fett und Ernährung, Hrsg.: Margarine-Institut für gesunde Ernährung, 1995.
  • Zöllner, N.: Die Fettsäuren in der Nahrung: Ihre Bedeutung für Serumlipide, Lipoproteine und Atherosklerose, Fat Sci. Technol., 95, 437-441, 1993.
  • Zöllner, N., Tatò, F.: Fatty acid composition of the diet: impact on serum lipids and atherosclerosis, Clinical Investigator, 70, 968-1009, 1992.
  • Fett in der Ernährung, Hrsg.: Lehrmittelverlag Wilhelm Hagemann und Margarine-Institut für gesunde Ernährung, 5. Auflage, 1991.
  • Hacks. M., Rohwedder, D.: Therapie mit Messer und Gabel, Wissenschaftsverlag Wellingsbüttel, 1994.