HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Konjugierte Linolsäuren - Biologische Effekte
Konjugierte Linolsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, bei
denen, im Vergleich zur essentiellen Linolsäure, eine oder beide Doppelbindungen
unterschiedlich lokalisiert sind. Diese Bindungen können sowohl cis- als auch eine
trans-Konfiguration aufweisen. Folge ist u. a. eine veränderte räumliche Struktur. Dies
bedeutet, daß es nicht eine konjugierte Linolsäure gibt, sondern daß es sich um eine
Gruppe verschiedener konjugierter Linolsäuren handelt. Im Gegensatz zur Linolsäure
finden sich die konjugierten Linolsäuren vorwiegend in Fleisch und Wurst, sowie in
Milchprodukten.
Eine Reihe von biologischen Effekten konnte mit konjugierten
Linolsäuren in Versuchstieren oder in Zellkulturen gezeigt werden:
- Hemmung der Carcinogenese
- Antioxydative Wirkung
- Beeinflussung von Glucose- und Fettstoffwechsel
- Änderung der Körperzusammensetzung.
Hemmung der Krebsentstehung (1 - 8)
Konjugierte Linolsäuren verminderten in Versuchstieren das Auftreten bestimmter
Karzinome, wie z. B. von Brust-, Dickdarm- und Hautkrebs. Die größte Wirkung konnte
beobachtet werden, wenn das Futter 1 % konjugierter Linolsäuren enthielt. Die Wirkung war
unabhängig von der Menge und der Art des Fettes im Futter. Auch in Zellinien von
menschlichen Karzinomen konnte der hemmende Effekt nachgewiesen werden, so an Brustkrebs-,
Dickdarmkrebs- und Melanomzellen. Bei Brustkrebszellen war die Wirkung nur dann vorhanden,
wenn sie auf Östrogene ansprachen. Darüber hinaus hemmten konjugierte Linolsäuren in
Lungenmikrosomen die Umwandlung der tabakspezifischen Nitrosamine zu aktiven Metaboliten.
Antioxydative Wirkung
Oxydative Schäden könnten sowohl in der Carcino- als auch der Atherogenese eine Rolle
zu spielen. Konjugierte Linolsäuren scheinen, wie in verschiedenen Versuchsansätzen
gezeigt, eine antioxydative Wirkung zu haben (9). Dies konnte jedoch nicht in allen
Untersuchungen bestätigt werden (10).
Beeinflussung von Glucose- und Fettstoffwechsel
In genetisch diabetischen, übergewichtigen Ratten führten konjugierte Linolsäuren zu
einer Normalisierung des gestörten Zuckerstoffwechsels und zu einer Senkung der erhöhten
Insulinkonzentrationen im Blut. Die Wirkung wurde teilweise über bestimmte
Zellkernrezeptoren, die PPARg , vermittelt (11).
Bei Kaninchen und Hamstern senkten konjugierte Linolsäuren LDL-Cholesterin und
Triglyceride im Blut, gleichzeitig fand sich eine mäßige günstige Beeinflussung des
Auftretens und des Verlaufs atheroklerotischer Gefäßveränderungen (12, 13). Jedoch
führte bei Mäusen die Verabreichung von konjugierten Linolsäuren zu einer Zunahme des
Fettgehalts in der Leber (14).
Änderung der Körperzusammensetzung (15)
Konjugierte Linolsäuren (0,5 %) änderten bei Mäusen die Körperzusammensetzung. Der
Fettanteil wurde um 60 % gesenkt, die fettfreie Körpermasse um 14 % erhöht. Das
Körpergewicht wurde dabei nicht wesentlich verändert. Dies war darauf zurückzuführen,
daß der Wassergehalt des Körpers zunahm. Zur Erklärung der Befunde wurden
weiterführende Untersuchungen vorgenommen. So wurde in kultivierten 3T3-L1 Adipocyten
durch konjugierte Linolsäuren in einer Konzentration von 10-4 M die durch
Heparin freisetzbare Aktivität der Lipoproteinlipase um 66 % vermindert. Die
intrazelluläre Konzentration von Triglyceriden wurde um 8 % gesenkt und jene von Glycerin
um 15 %, gleichzeitig stieg die Konzentration des freien Glycerins im Inkubationsmedium um
22 % an. Die Aktivität des Schlüsselenzyms der ß-Oxydation der Fettsäuren, die
Carnithin-Palmitoyltransferase, nahm bei nüchternen Mäusen sowohl im intakten Fettgewebe
als auch in der Skelettmuskulatur, nicht jedoch in der Leber zu. Aus den Befunden wurde
geschlossen, daß die Wirkung auf die Körperzusammensetzung teilweise auf einen
verminderten Einbau von Fett in die Fettzellen und auf eine vermehrte Lipolyse
zurückzuführen wären. Diese Befunde stehen im Widerspruch zur triglyceridsenkenden
Wirkung der konjugierten Linolsäuren, da sowohl die Hemmung der Lipoproteinlipase als
auch die gesteigerte Lipolyse mit vermehrtem Zustrom von freien Fettsäuren zur Leber zu
einem Anstieg der Triglyceridkonzentration führen würden.
In Tierexperimenten haben sich unter der Verabreichung von konjugierten Linolsäuren
eine Reihe von interessanten biologischen Effekten gezeigt, für die jedoch erst noch
geklärt werden muß, inwieweit sie auf den Menschen übertragen werden können. Darüber
hinaus muß ebenfalls sorgfältig untersucht werden, falls die verschiedenen Wirkungen
auch beim Menschen vorhanden sind, wo die nicht zur Muskulatur und zum Fettgewebe
gelangenden Fettsäuren verbleiben. Möglicherweise kommt es zu einer deutlichen
Fettanreicherung in der Leber.
Dies ist besonders angesichts der Tatsache zu beachten, daß ein Zusatz von 1 %
konjugierter Linolsäuren zum Futter von Ratten der Aufnahme von 35 g/Tag beim Menschen
entsprechen würde (16). Bei ausgeglichener Ernährung werden heute deutlich weniger als
0,5 g/Tag mit der Nahrung aufgenommen, so daß zur Erreichung solcher Mengen eine
Supplementierung stattfinden müßte. Die Aufnahme mit der Nahrung so erheblich zu
steigern, erscheint praktisch nicht möglich. Bevor jedoch sorgfältige Untersuchungen am
Menschen vorliegen, sollten konjugierte Linolsäuren therapeutisch nur sehr
zurückhaltend, eigentlich nur unter Studienbedingungen eingesetzt werden.
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