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Mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Brustkrebs

In einer prospektiven sogenannten Kohortenstudie (1) wurde bei 61471 Frauen im Alter von 40 - 76 Jahren über durchschnittlich 4,2 Jahre das Auftreten von Brustkrebs dokumentiert. Die Häufigkeit von Brustkrebs wurde mit dem Verzehr von gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren korreliert. Nach der Höhe des Fettverzehrs wurden die Teilnehmer in 4 Gruppen (Quartilen) eingeteilt. Zur Errechnung des relativen Risikos wurde jeweils die Gruppe mit dem höchsten Verzehr (oberste Quartile) mit jener mit dem geringsten Verzehr (unterste Quartile) der jeweiligen Fettsäure verglichen. Dabei zeigte sich bei den mehrfach ungesättigten Fettsäuren ein gering erhöhtes relatives Risiko von 1,18, das statistisch nicht abzusichern war. Bei den einfach ungesättigten Fettsäuren lag das Risiko bei 0,8, bei den gesättigten Fettsäuren (tierische Lebensmittel) bei 1,20. Aus diesen insgesamt nicht statistisch absicherbaren Daten wurde dann errechnet, was es bedeuten würde, wenn täglich 5 g mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren verzehrt würden. Dabei ergab sich ein Anstieg des relativen Risikos auf 1,69, während dagegen täglich 10 g mehr einfach ungesättigte Fettsäuren das relative Risiko auf 0,45 senken würden. Keine Beziehung zum Brustkrebsrisiko fand sich bei täglich 10 g mehr gesättigten Fettsäuren.

Zunächst einmal muß dazu angemerkt werden, daß die Errechnung von relativen Risiken pro g Mehrverzehr auf nicht statistisch abgesicherten Daten beruht. Es könnte also durchaus auch möglich sein, daß tatsächlich überhaupt kein Risikoanstieg vorliegt (95 % Konfidenzintervall bei den mehrfach ungesättigten Fettsäuren: 0,85 - 1,64). Wie fragwürdig die gewählte Darstellung ist, ergibt sich auch aus der Tatsache, daß wenn andere Quartilen zur niedrigsten verglichen werden, die Zunahme des Verzehrs von einfach ungesättigten Fettsäuren zunächst einen Anstieg des relativen Risikos auf 1,18 verursacht. Erst bei noch weiter zunehmendem Verzehr sinkt das relative Risiko. Daß sich keine Beziehung zwischen 10 g Mehrverzehr von gesättigten Fettsäuren und Brustkrebsrisiko findet, ist nur darauf zurückzuführen, daß schon bei Steigerung des Verzehrs von < 16,3 g/Tag auf 16,3 bis 18,8 g/Tag das relative Risiko dafür auf 1,19 ansteigt. Diese großen Probleme bei der Berechnung sind sicher darauf zurückzuführen, daß die Autoren glaubten, daß man mit einer Fragebogenerhebung der Ernährung feststellen kann, ob ein Teilnehmer an der Studie < 5,3 g/Tag, 5,3 - 6,2 g/Tag, 6,3 - 7,7 g/Tag oder > 7,7 g/Tag an mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu sich genommen hat. Eine Fragebogenerhebung kann nur Prinzipien der Ernährung, aber nicht so detaillierte Unterschiede aufzeigen. Die Autoren schließen die Veröffentlichung dann auch mit dem Satz, daß die Ergebnisse ihrer Studie in weiteren prospektiven Kohortenstudien bestätigt werden müssen, bevor man daraus allgemeine Empfehlungen zur Ernährung ableitet.

Aber es liegen bereits 7 solcher Kohortenstudien mit großen Teilnehmerzahlen vor (Überblick in 2). Nur in einer Studie (3) fand sich beim Vergleich der untersten und obersten Quartile des Verzehrs an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ein statistisch signifikanter Anstieg des relativen Risikos auf 1,5. Wenn alle sieben Studienpopulationen (relatives Risiko zwischen 0,7 und 1,5) zusammen ausgewertet werden, ergibt sich für die beiden obersten Quintilen ein relatives Risiko von 1,1 und 1,0 (4). Damit liegt das Risiko bei hohem Verzehr gleich niedrig wie bei geringem Verzehr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Auch in der soeben veröffentlichten Nurses Health Study (7) ergab sich kein Hinweis für einen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Kohortenstudien ergaben also, insgesamt gesehen, keinen Hinweis für ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

In einem anderen Ansatz wurde untersucht, ob Patientinnen mit Brustkrebs einen erhöhten Verzehr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren aufweisen. In 12 dieser sogenannten Fallkontrollstudien fand sich in keinem Fall eine Beziehung zwischen erhöhtem Verzehr an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Brustkrebs (2, 4, 5) . Im Gegenteil, 2 Studien zeigten sogar, statistisch signifikant, eine niedrigeres Risiko.

Daneben liegen noch die Ergebnisse von drei ökölogischen Studien (2, 6) vor, in denen in großen Bevölkerungsgruppen der theoretische Pro-Kopf-Verzehr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren und die Häufigkeit von Brustkrebs evaluiert wurde. Zwei Studien fanden keinen Zusammenhang.

Die vorliegende Datenlage veranlaßte die Expertengremien des American Institute for Cancer Research und des World Cancer Research Fund 1997 (2) zu folgender Schlußfolgerung: Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren oder pflanzlichen Fetten hat wahrscheinlich kein erhöhtes Brustkrebsrisiko, unabhängig von deren Anteil an der Gesamtfettaufnahme". Dagegen wurde festgestellt, daß gesättigte Fettsäuren wahrscheinlich das Risiko für Brustkrebs erhöhen, einfach ungesättigte Fettsäuren per se es wahrscheinlich nicht beeinflussen.

Literatur:

  1. Wolk, A., R. Bergström, D. Hunter, et al.: A prospective study of association of monounsaturated fat and other types of fat with risk of breast cancer. Arch. Int. Med. 138 (1998) 41 - 45
  2. American Cancer Research Fund und American Institute for Cancer Research: Food, Nutrition and the Prevention of Cancer: a global perspective. (1997)
  3. Kushi, L. H., T. A. Sellers, J. D. Potter, et al.: Dietary fat and postmenopausal breast cancer. JNCI 84 (1992) 1092 - 1099
  4. Witte, J. S., G. Ursin, J. Siemiatycki, et al.: Diet and premenopausal bilateral breast cancer: a case-control study. Breast Cancer Res. Treat. 42 (1997) 243 - 251
  5. Franceschi, S., A. Favero, A. Decarli, et al.: Intake of macronutrients and risk of breast cancer. Lancet 347 (1996) 1351 - 1356
  6. Staessen, L., S. de Henauw, D. de Bacquer, G. de Backer, C. van Peteghem: Consumption of fatty acids in Belgium and its relationship with cancer mortality. Cancer Lett. 114 (1997) 109 – 111
  7. Holmes, M. D., D. J. Hunter, G. A. Colditz, et al.: Association of dietary intake of fat and fatty acids with risk of breast cancer. JAMA 281 (1999) 914 – 920