Margarine-Institut für gesunde Ernährung - Zur Startseite
E-Mail für das Margarine-Institut für gesunde Ernährung e.V.
Unsere Rubriken


Suche Sitemap Fragen Sie uns online KontaktImpressum
Unsere Rubriken



Wir über uns



Unser Informationsmaterial



Studien



Lexikon



FAQs

Wußten Sie schon...?
  Hintergrund-
informationen
  Bei Experten nachgefragt



Testen Sie Ihr Wissen



Links


HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Bedeutung der trans-Fettsäuren in der Ernährung

Zusammenfassung

Trans-Fettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren mit mindestens einer Doppelbindung in trans-Konfiguration. In der Ernährung finden sie sich in relativ niedrigen Konzentrationen im Fleisch von Wiederkäuern und Milchprodukten sowie in sehr geringen Mengen in Margarine. Trans-Fettsäuren erhöhen LDL-Cholesterin und senken bei sehr hoher Zufuhr HDLCholesterin. Die Daten zu Veränderung der Lipoprotein-(a)-Konzentration sind heterogen. Epidemiologische Untersuchungen zeigten eine Beziehung zwischen der Höhe des Konsums von trans-Fettsäuren und dem kordiovaskulären Risiko. Wurde der Konsum jedoch durch biochemische Marker (trans-Fettsäuren im Fettgewebe oder Plasma) erfasst, konnte keine Beziehung gefunden werden. Schon 1991 lag in Deutschland der Konsum an trans-Fettsäuren mit 0,8-0,9 Energieprozent sehr niedrig. Daher muss in der Schulung des Patienten mit Hypercholesterinämie nicht eigens auf die trans-Fettsäuren eingegangen werden. Denn mit der Empfehlung, weniger tierische Fette (gesättigte Fettsäuren) zu sich zu nehmen, wird LDL-Cholesterin am deutlichsten gesenkt und darüber hinaus auch die Zufuhr an trans-Fettsäuren weiter vermindert. Auch enthalten heute in Deutschland hergestellte Margarinen keine nennenswerten Mengen an trans-Fettsäuren (um 1%).

Fettsäuren liegen entweder in gesättigter (keine Doppelbindung) oder ungesättigter (eine oder mehrere Doppelbindungen) Form vor. Weist eine dieser Doppelbindungen trans-Konfiguration auf, spricht man von trans-Fettsäuren. Zwei Konfigurationen der Doppelbindungen sind prinzipiell möglich: die cis-Konfiguation, bei der sich die Wasserstoffatome an der gleichen Seite der AcyIkette finden und die trans-Konfiguration mit den beiden Wasserstoffatomen jeweils an den gegenüberliegenden Seiten (Abb. 1). Die Konfiguration der Doppelbindung bestimmt entscheidend die räumliche Struktur der Fettsäure, da im Vergleich zur cis-Konfiguration die trans-Konfiguration in einem größeren Winkel in der Acylkette resultiert. Dies bedeutet, dass eine trans-Fettsäure in weitgehend gestreckter Konformation vorliegt und sich damit in ihrer räumlichen Struktur jener einer gesättigten Fettsäure annähert. Diese Konformation ist stabil, da sich Doppelbindungen nicht um die Achse drehen können, und bestimmt die physikalischen Eigenschaften der Fettsäure entscheidend, so z.B. die Fluididät.

Trans-Fettsäuren kommen in Fleisch und Milchprodukten vor (12, 26). Sie werden im Magen von Wiederkäuern durch Fermentation gebildet, aus dem Darm absorbiert und in die Gewebe und in die Milch übergeführt. Trans-Fettsäuren können auch bei der Härtung (der sog. Hydrogenierung) von Pflanzenölen entstehen. Allerdings sind in Deutschland die Methoden heute so weit entwickelt, dass dabei nur sehr geringe Mengen gebildet werden.

Trans-Fettsäuren und Serum Lipoproteine

Vor mehr als 50 Jahren wurde erstmals entdeckt, dass gehärtetes Fett gegenüber natürlich vorkommendem Pflanzenfett zu einer höheren Cholesterinkonzentration im Blut führt (11). Der ungünstige Effekt war jedoch nicht so ausgeprägt wie jener von gesättigten Fettsäuren. Später folgende Untersuchungen zeigten, dass die cholesterinsteigernde Wirkung von gehärteten Fetten sowohl auf die Zunahme von gesättigten Fettsäuren als auch die Verminderung von mehrfach ungesättigten Fettsäuren zurückzuführen war. Allerdings fand sich auch noch ein davon unabhängiger Effekt durch Fettsäuren, die eine Doppelbindung in trans-Konfiguration aufwiesen (11, 42). Neues Interesse fand dieses Problem erst wieder Anfang 1990, als es durch Fortentwicklung der Methoden möglich wurde, die Veränderung der Serum-Lipoproteinkonzentrationen unter hoher Zufuhr von trans-Fettsäuren zu untersuchen. Es konnte gezeigt werden, dass der Ersatz von Ölsäure (18 C-Atome, einfach ungesättigt, eine cis-Doppelbindung) durch Elaidinsäure (18 CAtome, einfach ungesättigt, eine transDoppelbindung) in der Ernährung zu einem Anstieg der Cholesterin- und LDL-Cholesterinkonzentration im Serum führte, gleichzeitig jedoch HDL-Cholesterin vermindert wurde. Das als ein Prädiktor für das kardiovaskuläre Risiko heranziehbare LDL-/HDL-Cholesterinverhältnis wurde verschlechtert (24). Dieses Ergebnis wurde in einer weiteren Studie bestätigt, in der zusätzlich Linolsäure (18 C-Atome, mehrfach ungesättigt, 2 cis-Doppelbindungen) Ölsäure oder trans-Fettsäuren ersetzte (41).
Die Mehrzahl der heute vorliegenden Studien (5, 8,16, 21-23, 28, 29, 33, 34, 40) zeigt, dass trans-Fettsäuren zu einem Anstieg der LDL-Cholesterinkonzentration im Blut führen. Das Ausmaß des Anstieges ist vergleichbar jenem durch gesättigte Fettsäuren. Dies bedeutet, dass bei Verzehr von trans-Fettsäuren anstelle von gesättigten Fettsäuren sich die LDL-Cholesterinkonzentration nicht verschlechtert. Dies kann nur dann beobachtet werden, wenn trans-Fettsäuren anstelle von einfach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren konsumiert werden. Anders herum gedacht bedeutet dies auch, dass der Ersatz von trans-Fettsäuren durch gesättigte Fettsäuren die LDL-Cholesterinkonzentration im Serum nicht verändert, dazu müsste schon auf einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren übergegangen
werden.
Weniger eindeutig ließ sich der ungünstige Effekt von trans-Fettsäuren auf das HDL-Cholesterin nachweisen. Wahrscheinlich sinkt HDL-Cholesterin nur bei sehr hoher Zufuhr an trans-Fettsäuren (>6,5 Energie%) (11,22,41). Die Effekte im Bereich des HDL-Cholesterins sind aufgrund der unterschiedlichen Wirkungen der verschiedenen Fettsäuren auf die HDL-Cholesterinkonzentration im Serum viel schwieriger zu beurteilen. So würde z.B. der Ersatz von einfach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren durch gesättigte Fettsäuren zu einem gering ausgeprägten Anstieg des HDL-Cholesterins führen. Dies bedeutet, dass der HDLCholesterin senkende Effekt beim Ersatz von gesättigten Fettsäuren durch trans-Fettsäuren besonders ausgeprägt wäre, sich LDL-Cholesterin jedoch nicht ändern würde. Beim Ersatz von einfach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren durch trans-Fettsäuren hingegen würde LDL-Cholesterin deutlich erhöht, HDL-Cholesterin weniger ungünstig beeinflusst. Die Beurteilung des Effektes auf das HDL-Cholesterin erfordert daher nicht nur die Angabe der Zufuhr an trans-Fettsäuren sondern auch die Kenntnis der Zusammensetzung der anderen in der Nahrung enthaltenen Fettsäuren und der vorgenommenen Änderung. Diese Problematik ist sicher für die nicht einheitlichen Daten zur Änderung des HDL-Cholesterins unter trans-Fettsäuren verantwortlich.
Der LDL-/KDL-Cholesterinquotient kann in diesem Zusammenhang die Beurteilung vereinfachen, da sowohl die eindeutig negativen Effekte auf das LDL-Cholesterin als auch die schwieriger zu beurteilenden Veränderungen auf das HDL-Cholesterin mit eingehen (7). Aufgrund des eindeutig ungünstigen Effektes von trans-Fettsäuren auf das LDL-Cholesterin wird er sich jedoch unter trans-Fettsäuren immer verschlechtern. Die diätetischen Strategien zur Verbesserung des LDL-HDLCholesterinquotienten konzentrieren sich im allgemeinen auf die Senkung des LDL-Cholesterins (Ersatz von gesättigten Fettsäuren durch einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Weglassen von gesättigten Fettsäuren), so dass in der Praxis der Diskussion über den Effekt auf das HDL-Cholesterin keine wesentliche Bedeutung zukommt (7).
Lipoprotein (a) ist ein Lipoproteinpartikel (Abb. 2), das eine ähnliche Lipidzusammensetzung wie LDL aufweist, zusätzlich zum auch im LDL vorhandenen Apolipoprotein B-l00 enthält es das Apolipoprotein (a). Konzentrationen über 30 mg/dl sind häufiger mit dem Auftreten atherosklerotischer Komplikationen vergesellschaftet (37). Lipoprotein-(a)-Konzentrationen zeigten unter Diäten mit einem hohen Anteil an trans-Fettsäuren einen Trend zum Anstieg (2, 5, 22, 23, 25, 29), der jedoch nicht immer nachweisbar war (9, 17, 21). Der unter trans-Fettsäuren beobachtete geringe Anstieg der Lipoprotein-(a)-Konzentrationen dürfte unabhängig davon auch keine pathophysiologische Bedeutung haben. Keine ausreichenden Daten zum Einfluss von trans-Fettsäuren liegen darüber hinaus bei Personen vor, die hohe Konzentrationen von Lipoprotein (a) aufweisen.
Die Aktivität des Cholesterinestertransferproteins (CETP) scheint die Konzentration des HDL-Cholesterins im Plasma zu beeinflussen (20). In vitro führt die Anreicherung von RDL mit cis-Fettsäuren zu einer Hemmung der Aktivität des CETP, während die Anreicherung mit trans-Fettsäuren zu einer Steigerung führte (1, 19, 34). Die Steigerung der Aktivität des CETP durch trans-Fettsäuren würde den ungünstigen Effekt auf die HDL-Cholesterinkonzentration im Serum erklären. Um den Einfluss auf die LDL-Cholesterinkonzentration zu erklären, wurde das Ausmaß der endogenen Cholesterinsynthese unter trans-Fettsäurezufuhr gemessen. Als mögliche Ursache fand sich eine verminderte Abbaurate des Cholesterins. Dieses Ergebnis muss jedoch noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden (10). Die erhöhte Anfälligkeit von LDL für oxidative Modifikationen scheint mit einem höheren Risiko für das Auftreten von Atherosklerose einherzugehen (39). Trans-Fettsäuren verändern jedoch die Oxidierbarkeit von LDL nicht (3, 13, 21). Darüber hinaus wurde der Einfluss von trans-Fettsäuren auf die Blutgerinnung und die Fibrinolyse untersucht. Dabei ergab sich kein Hinweis für eine positive oder negative Veränderung einer Reihe von entsprechenden Parametern (27,36).


Trans-Fettsäuren und kardiovaskuläre Krankheiten

In einer Beobachtungsstudie, in welcher der Konsum von trans-Fettsäuren durch semiquantitative Ernährungsfragebögen erfasst wurde, fand sich eine Beziehung zwischen dem Ausmaß des Verzehrs und der Cholesterin- und LDL-Cholesterinkonzentration im Serum und invers zum HDL-Cholesterin (35). Unter Anwendung ähnlicher epidemiologischer Methoden wurde in mehreren Beobachtungsstudien eine Beziehung zwischen dem Konsum an trans-Fettsäuren und der lnzidenz an kardiovaskulären Erkrankungen gefunden (6, 14, 18,30,38). Im Gegensatz dazu konnten Studien, in denen die Aufnahme von trans-Fettsäuren durch Messung der Konzentrationen in Fettgewebe oder Plasma bestimmt wurde, keine Beziehung zwischen der Aufnahme an trans-Fettsäuren und der lnzidenz an kardiovaskulären Erkrankungen finden (4, 31).

Konsequenz für die Ernährungsberatung

Trans-Fettsäuren sind zwar in der Lage, LDL-Cholesterin zu erhöhen und RDL-Cholesterin zu senken. In der Ernährungsberatung muss jedoch auf die trans-Fettsäuren nicht speziell eingegangen werden. Daten der TRANSFAIR Studie (15) zeigen, dass bereits 1991 der Konsum an trans-Fettsäuren in Deutschland sehr niedrig lag:
0,8 ± 0,2 Energie% bei Männern und 0,9 ± 0,2 Energie% bei Frauen.
Ein im Alltag messbarer Einfluss dieser niedrigen trans-Fettsäuremengen auf LDL- oder HDL-Cholesterin ist nicht zu erwarten. Da gleichzeitig der Konsum von gesättigten Fettsäuren bei den Männern 17,5 Energie% betrug, bei den Frauen 18,6 Energie%, wird klar, dass die Verringerung des Konsums an gesättigten Fettsäuren und ggf. ihr Ersatz durch einfach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren eine wesentlich größere Bedeutung hat. Außerdem wird durch die Reduktion der gesättigten Fettsäuren auch der Konsum an trans-Fettsäuren vermindert. Margarinen enthalten heute in Deutschland keine wesentlichen Mengen an trans-Fettsäuren. In der Regel liegt der Gehalt unter 1%. Bei einem Verbrauch von 20 g Margarine pro Tag entspricht dies einer Aufnahme von 200 mg/Tag. Wenn daher die üblichen Prinzipien der fettmodifizierten Ernährung mit Einschränkung von tierischem Fett (Butter, Rindfleisch, Milchfett) eingehalten werden, ist die Zufuhr an trans-Fettsäuren so gering, dass LDL-Cholesterin und RDL-Cholesterin, und damit entsprechend das kardiovaskuläre Risiko nicht nennenswert verändert werden.


Prof. Dr. med. Werner 0. Richter
Wiss. Beirat des VFED
Institut für Fettstoffwechsel und
Hämorheologie
Blumenstraße 6
86949 Windach


Nach einem Vortrag anlässlich der 8. Aachener Diätetik-Fortbildung des VFED