AUSFÜHRLICH UND WEITERFÜHREND
Mittelmeerdiät
Definition: Es handelt sich bei der Mittelmeerdiät nicht um eine Kranken- oder Schonkost, sondern um eine allgemein gesündere Ernährungsweise. Der Begriff Mittelmeerdiät geht zurück auf die sog. Seven-Countries-Study (Sieben-Länder-Studie), die 1952 in Europa unter der Leitung von Ancel Keys begonnen wurde. Seinerzeit wollte man herausfinden, warum die Bevölkerung vieler Mittelmeerländer, vor allem die Bewohner Kretas, extrem selten an koronaren Herzerkrankungen (KHK) litten und über eine so hohe Lebenserwartung verfügten. Nach Auswertung von Ernährungsprotokollen von Bewohnern ausgewählter Mittelmeerregionen, definierte Keys deren Ernährungsweise etwa wie folgt: "Die Nahrung ist überwiegend vegetarisch orientiert: Nudeln in verschiedenen Variationen, mit Olivenöl zubereitete Salate, frisches Gemüse der Saison, viel Käse, zum Abschluss Obst und häufig spült man das Essen mit Wein herunter."
Heute versteht man unter Mittelmeerdiät eine Ernährungsform mit überwiegend pflanzlichen Lebensmitteln und relativ wenig tierischen Produkten. Die Gesamtenergie sollte sich wie folgt zusammensetzen:
Charakteristika der traditionellen Ernährung (Ernährungsweise um 1960 in Kreta, Griechenland (Festland) und Süditalien
- Reichlicher Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln wie (dunklem) Brot, anderen Getreideerzeugnissen, Pasta, Reis, Kartoffeln, getrockneten oder frischen Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen
- Reichlicher Verzehr von frischen, roh oder wenig verarbeiteten, saisonal verfügbaren Gemüsesorten (grüne Blattgemüse, Tomaten, Auberginen)
- Reichlicher Verzehr von frischen oder getrockneten Kräutern und Knoblauch
- Reichlicher Verzehr von frischem Obst oder saisonal verfügbaren Früchten; üblicherweise täglich als Nachspeise verzehrt
- Relativ hohe Aufnahme von Olivenöl als Hauptfettquelle, dadurch günstiges Verhältnis von einfach ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren
- Mäßiger Verzehr von Fisch, Geflügel und Milchprodukten, in erster Linie in Form von Käse und Jogurt
- Geringer Verzehr von (rotem) Fleisch und Eiern
- Geringe bis moderate Aufnahme von Alkohol, in Form von Wein; üblicherweise bei den Mahlzeiten konsumiert.
Quelle: Ernährungsumschau 45 (1998) Heft 10
Fettsäuren
im Zentrum: Der hohe Verbrauch an Olivenöl - auf Kreta in
den 50er Jahren z.B. bis zu 40% der Gesamtenergie - galt lange Zeit
als zentraler Aspekt der Mittelmeerdiät. Bei einem Vergleich der typisch
westlichen Ernährungsform (western diet) mit der Mittelmeerdiät ergab
in den 60er Jahren zum Fettsäurespektrum:
Während der Anteil an der Gesamtenergie in Form von Fett in Griechenland
37%, in Japan 11% und in den USA 39% betrug, lag der Anteil an gesättigten
Fettsäuren mit 3% in Japan und mit 8% in Griechenland deutlich unter
dem von 18% in den USA. Auch wenn sich die Ernährungsgewohnheiten
vom griechischen Festland zu Kreta, zu Süditalien oder Dalmatien teilweise
erheblich unterscheiden, wird in all diesen Ländern ein relativ hohes
Verhältnis von einfach ungesättigten Fettsäuren zu gesättigten Fettsäuren
(2-4 : 1) erreicht. Daneben werden generell mehr komplexe Kohlenhydrate
und Ballaststoffe verzehrt und auch mehr antioxidativ wirksame Substanzen
(Vitamin
E , Carotinoide)
und sekundäre Pflanzenstoffe (z.B. Flavonoide). Da sich in den vergangenen
30 Jahren die Ernährungsgewohnheiten auch rund um das Mittelmeer in
Richtung western diet und Life-Style mit weniger körperlicher Aktivität
verändert haben, ist inzwischen beispielsweise auch auf Kreta die
KHK-Mortalitätsrate angestiegen und die Zunahme von KHK-Risikofaktoren
- erhöhte
Cholesterinspiegel, erhöhte Blutdruckwerte, Übergewicht - hat
sich ebenfalls bedenklich erhöht.
Präventiv-Charakter: In den vergangenen 30 Jahren wurden, ausgehend von den Ergebnissen der Seven-Countries-Study, vor allem die Bedeutung der Fettzufuhr für das KHK-Risiko untersucht. Zahlreiche Studien kamen zu folgenden Kernaussagen:
- 1. Die mediterrane Ernährungsweise geht mit einem niedrigeren Auftreten von KHK einher.
- 2. Ein übermäßiger Verzehr von Fetten mit gesättigten Fettsäuren führt zu hohen Cholesterinspiegeln im Blut, insbesondere zu hohen LDL-Cholesterinwerten, die als Risikofaktor für die KHK angesehen werden.
Den Präventiv-Charakter der Mittelmeerdiät hat man zunächst auf die im Vergleich zur westlichen Ernährungsweise deutlich geringere Aufnahme an gesättigten Fettsäuren zurückgeführt. Da das Olivenöl in der mediterranen Kost jedoch eine so prominente Rolle spielt, hat man auch einen protektiven Effekt durch die einfach ungesättigte Ölsäure vermutet, die zu 55-83% im Olivenöl enthalten ist. Inzwischen ist anerkannt, dass im Austausch zu gesättigten Fettsäuren ölsäurereiche Öle und die daraus hergestellten Produkte eine Senkung des Gesamt- und LDL-Cholesterins bewirken.
Wesentliche Argumente für den gesundheitlichen Wert der Mittelmeerdiät lieferte die 1994 veröffentlichte Lyon Diet Heart Study. Die Studienteilnehmer hatten bereits einen Herzinfarkt erlitten. Sie verzehrten im Rahmen der Studie sehr wenig gesättigte Fettsäuren (8% der Gesamtenergie), 13% einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren und relativ viel Omega-3-Fettsäuren (Fisch, Nüsse, Rapsöl) sowie komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Nach 27 Monaten waren die Zahl der tödlichen und nicht fatalen Reinfarkte sowie die Gesamt- und die kardiovaskulären Sterblichkeitsraten um 50-75% niedriger als in der Studiengruppe, die sich "normal" ernährte. Auch die Zahl der neu diagnostizierten Krebsfälle lag in der Gruppe, die sich mediterran ernährte, deutlich niedriger.
Die vorliegenden Studien belegen, dass die Mittelmeerdiät wichtige Anforderungen erfüllt, die heute an eine Ernährung mit präventiver Wirkung gestellt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei dieser Ernährungsform spezielle Komponenten in ihrer Gesamtheit zu dem gesundheitsfördernden Effekt beitragen. Eine Hilfe für die Auswahl der öfter zu bevorzugenden Lebensmitteln eignet sich die Ernährungspyramide. Sie ist an die nord- und westdeutschen Ernährungsgewohnheiten angepasst und stellt insofern eine modifizierte mediterrane Ernährungsweise dar.

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