AUSFÜHRLICH UND WEITERFÜHREND
Antioxidantien
Definition: Sauerstoff ist das Lebenselement
schlechthin. Ohne ihn gäbe es kein höherentwickeltes Leben auf der Erde
- keine Menschen und auch nur anaerobe (ohne Sauerstoff lebensfähige)Tiere
und Pflanzen. Muß unser Gehirn eine Zeitlang ohne Sauerstoff auskommen,
treten nach 5 Sekunden bereits erste Funktionsstörungen auf, nach 15
Sekunden wird der Mensch bewußtlos, und nach 3 Minuten sind bleibende
Schäden nicht auszuschließen. Chemisch reagiert Sauerstoff sehr leicht
mit anderen Stoffen; man nennt das Oxidation
(von der chemischen Bezeichnung Oxigenium für Sauerstoff). Handelt es
sich um Lebensmittel, wird Energie freigesetzt, die alle Körperzellen
benötigen, um am Leben zu bleiben. Dieser positiven Seite des Sauerstoffs
steht jedoch eine negative gegenüber: Sauerstoffreaktionen führen zur
Bildung von freien Radikalen. Antioxidantien
können den Prozeß der Radikalbildung verlangsamen oder unterbrechen.
Autoxidation von Fetten: Fette
sind organische Stoffe, die oxidieren können, und zwar umso leichter, je mehr
Doppelbindungen in den Fettsäuren des Fettes
enthalten sind. Am Geschmack und an der Haltbarkeit eines Fettes läßt sich der Prozeß
der Autoxidation leicht erkennen. Leinöl z.B., das relativ viel mehrfach ungesättigte
Fettsäuren mit drei Doppelbindungen enthält, oxidiert sehr rasch (siehe Basiswort
Fettverderb). Bei der Autoxidation ungesättigter Lipide handelt es sich um einen
katalysierten Prozeß, d. h. Sauerstoff reagiert mit den ungesättigten Fettsäuren der Triglyceride oder anderen Lipiden. Der Prozeß
läuft in drei Phasen ab (Induktion, Kettenwachstum bzw. Kettenverzweigung und
Kettenabbruch), und zwar umso schneller, je mehr Doppelbindungen und Radikale im Spiel
sind.
Induktion |
Kettenwachstum |
Kettenabbruch |
|
R· + O2 ® ROO· |
R· + R· ® stabile Produkte |
| ROO· + RH ® ROOH
+ R· |
RO· + R· ® stabile Produkte |
RH ® R· + H·
|
Kettenverzweigung
|
|
|
ROOH ® RO· +
·OH
RO· + RH ® R·
+ ROH
·OH + RH ® R· + H2O |
|
|
Mechanismus der Autoxidation von Fettsäuren (R =
Fettsäurerest)
Die erste Phase der Induktion wird durch Licht, Wärme, Enzyme (Lipoxigenasen)
und Schwermetalle (z.B. Eisen, Kupfer) angeregt bzw. in Gang gehalten.
Die dabei entstehenden freien Radikale reagieren mit Sauerstoff zu
Hydroperoxilradikalen, die weiteren Fettsäuren Wasserstoffatome entreißen.
Die so entstehenden Hydroperoxide sind relativ instabil und können
zu verschiedenen Produkten zerfallen, die wiederum mit Fettsäuren
oder Sauerstoff Verbindungen eingehen, die erneut Radikalketten entstehen
lassen. Fettsäurehydroperoxide sind geruch- und geschmacklos. Aus
ihnen entstehen jedoch aromaintensive Abbaustoffe (z. B. gesättigte
und ungesättigte Carbonyle, Alkohole, Hydroxisäuren).
Fetthaltige Lebensmittel sind anfällig für die Lipidperoxidation , die eine Reihe von
ungünstigen Auswirkungen hat: Der Nährwert sinkt (Verlust an Vitaminen und essentiellen Fettsäuren ), Farbe,
Struktur und Aroma verändern sich und die Gesundheit ist durch den Verzehr derart
veränderter Fette in Gefahr. Vakuumverpackung und kühle Lagerung sind geeignete
physikalische Methoden, um dem Fettverderb in bestimmten Lebensmitteln vorzubeugen,
können den Prozeß der Autoxidation jedoch niemals stoppen.
Wirkmechanismus: Weiter hinauszögern läßt er sich durch den Zusatz
von Antioxidantien. Sie greifen an zwei Stellen in die Reaktionskette
der Autoxidation ein: Entweder verhindern sie die Kettenreaktion durch
Abfangen der Peroxilradikale oder sie unterbrechen die Autoxidation
durch Abfangen von Alkoxilradikalen. Wie dieser chemische Prozeß stufenweise
abläuft, zeigt Abb. 2. Das Antioxidans (AH) greift in die Autoxidation
der Lipide als schneller H-Donator (Wasserstoffgeber) für die Peroxil-
und Alkoxilradikale ein (Reaktion 1+2). Nach Ablauf der 5. Reaktion
kann das Antioxidansradikal (A-A) noch ein weiteres Radikal inaktivieren,
bevor es selbst inaktiv wird.
| LOO· + AH ® LOOH +A· |
(1) |
| LO· + AH ® LOH + A· |
(2) |
| LOO· + A· ® LOOA |
(3) |
| LO· + A· ®
LOA |
(4) |
| A· + A· ®
A-A |
(5) |
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Vitamin E : Für das
Unterbrechen der autoxidativen Kettenreaktion gilt Vitamin E als wichtigstes Antioxidans
(siehe auch Basiswort Vitamin E ). Es schützt vor
allem mehrfach ungesättigte Fettsäuren in den Zellmembranen gegen den Angriff freier
Radikale, indem es die Kettenreaktion der Lipidperoxidation unterbricht bzw.
hinauszögert. Radikale entstehen z. B. beim Rauchen, durch Streß oder verschiedene
Umwelteinflüsse, Infektionen oder intensive Sonnenbestrahlung und können außer
Zellmembranen auch Enzyme und Eiweißbausteine zerstören. Die Wirksamkeit von Vitamin E (Tocopherole) ist von seiner Herkunft abhängig.
Pflanzen speichern in ihren Samen und Keimen Energie in Form von Fett, das vor allem durch
g - und d -Tocopherol vor dem Verderb geschützt wird. Am biologisch wirksamsten im
menschlichen Organismus ist das ebenfalls in Pflanzenöl und den aus ihm hergestellten
Produkten (Pflanzenmargarine) enthaltene
RRR-a-Tocopherol bzw. d-a -Tocopherol. Diese Vitamin E-Form kann oxidative Prozesse
effektiver verhindern als synthetisch hergestelltes Vitamin E (all-rac-a -Tocopherol).

Bedarf: Epidemiologische Studien belegen, daß Antioxidantien davor schützen können,
an Herz und Kreislauf zu erkranken. Enthält die Nahrung diese Substanzen nur in geringer
Menge, treten zwar keine Mangelsymptome auf, aber das Erkrankungsrisiko steigt. Ferner hat
sich herausgestellt, daß der Verzehr von reichlich Obst und Gemüse einen besseren
antioxidativen Schutz gewährleistet als Vitaminpräparate. Die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für
gesunde Erwachsene pro Tag: Etwa 12-30 mg Vitamin E (a
-Tocopherol) basierend auf der durchschnittlichen Aufnahme an mehrfach ungesättigten
Fettsäuren (0,6 mg Linolsäure).
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