AUSFÜHRLICH UND WEITERFÜHREND
Essentielle Fettsäuren
Definition: Essentiell leitet sich vom lat. essentia
= das Wesentliche ab und bedeutet in Verbindung mit Fettsäuren,
daß es sich um lebensnotwendige Substanzen handelt. Die Kohlenstoffkette
essentieller
Fettsäuren liegt immer als cis- und nicht als trans-Konfiguration
vor und zeichnet sich durch zwei oder mehrere ungesättigte Kohlenstoffatome
aus, d. h. sie ist mehrfach ungesättigt. Charakteristisch ist die Stelle,
an der die erste Doppelbindung in der Fettsäurekette, vom Methylende
her gesehen, positioniert ist, denn sie ist unverrückbar. Aus diesem
Grund spricht man von Omega-6-, n-6- oder g -Fettsäuren, wenn die erste
Doppelbindung am 6. Kohlenstoffatom liegt. Entsprechendes gilt für die
Omega-3-, n-3- oder a -Fettsäuren - sie haben ihre erste Doppelbindung
am 3. C-Atom (siehe Basiswort Omega-Fettsäuren).
Obgleich der menschliche Organismus die essentiellen Fettsäuren in Eigensynthese
nicht herstellen kann, könnte er ohne sie nicht funktionieren. Eine
herausragende Rolle unter den essentiellen Fettsäuren spielen die Linol-
und a-Linolensäure.
Sie dienen Pflanzen, Tieren und Menschen als Strukturelement
der Zellmembranen und steuern mit den aus ihnen entstehenden Produkten,
wie z. B. Prostaglandinen,
Thromboxanen und Leukotrinen, viele lebenswichtige Prozesse im Organismus.
Pflanzliche
Öle und daraus hergestellte Margarine
sind die besten Lieferanten für Linol- und a
-Linolensäure.

Quelle: Singer P., Was sind Omega-3-Fettsäuren,
Frankfurt 1994
Natürliche Quellen der wichtigsten mehrfach ungesättigten
Fettsäuren und ihre Umwandlung in die sog. Eicosanoide. (PG = Prostaglandin, TX =
Thromboxan, Desaturose = Enzym zur Bildung einer weiteren Doppelbindung, Elongation =
Verlängerung der fettsäurekette um 2 weitere Kohlenstoffatome)
Die für den Menschen wichtigste essentielle Fettsäure ist die zweifach
ungesättigte Linolsäure aus der Gruppe der Omega-6-Fettsäuren. Der höchste
Gehalt an Linolsäure findet sich in
Pflanzenölen (Saflor- oder Distelöl, Sonnenblumen- und Sojaöl) und in Pflanzenmargarine. Die Empfehlungen für
eine gesunde Ernährung gehen bei gesunden Erwachsenen von einem durchschnittlichen
Tagesbedarf von 100 mg Linolsäure pro kg Körpergewicht aus, was in etwa 10 g pro Tag
bzw. mindestens 3% der gesamten Energiezufuhr entspricht. Aus Linolsäure kann unser
Körper alle anderen Omega-6-Fettsäuren im Rahmen eines exakt definierten
Stoffwechselweges durch Einbau weiterer Doppelbindungen und Kettenverlängerung bilden: z.
B. die dreifach ungesättigte g -Linolensäure mit 18 C-Atomen, die dreifach ungesättigte Dihomo-g -Linolensäure mit 20 C-Atomen und die
vierfach ungesättigte Arachidonsäure
mit 20 C-Atomen. Diese Folgeprodukte der Linolsäure haben allerdings ein ganz anderes
Wirkspektrum als die Linolsäure selbst.
Für die dreifach ungesättigte a -Linolensäure (Omega-3-Fettsäure)
wird eine tägliche Aufnahme von etwa 1 g oder wenigstens 0,5% der gesamten Energiezufuhr
empfohlen. Vor allem Leinöl (55%), Walnußöl (14%), Rapsöl (11%) und Sojaöl (8%) sind
reich an a-Linolensäure. Die a-Linolensäure
und ihre längerkettigen Folgeprodukte, z. B. die fünffach ungesättigte Eicosapentaensäure mit 20 C-Atomen
(siehe auch Basiswort Tierische Öle und Fette), sind wichtige Strukturelemente für das
Gehirn, die Netzhaut des Auges und die Keimdrüsen.
Eine normale, abwechslungsreiche Kost mit Öl, Margarine
und Fisch (siehe auch Basiswort Drittel-Regel ) reicht in aller Regel aus, um einen Mangel
an Linol- und a-Linolensäure zu vermeiden. Probleme wie
Wachstumsstillstand, Entzündungen der Haut (Haut und gesunde Ernährung), Nervenschäden
und Beeinträchtigung der Fortpflanzung können auftreten, wenn z. B. eine künstliche
Ernährung keine essentiellen Fettsäuren enthält, oder wenn bei Kleinkindern, die noch
sehr schnell wachsen, die Fettaufnahme gestört ist.
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