STUDIEN-SAMMLUNG
Studienart
Jahr
2004
Autoren
Mozaffarian, D., E. B. Rimm, D. M. Herrington
Stichworte
GFS, Fett, Koronare Herzkrankheit
Titel
Dietary fats, carbohydrate, and progression of coronary atherosclerosis in postmenopausal women. Quelle: Am. J. Clin. Nutr. 80 (2004) 1175 - 1184
Inhalt
Bei 235 postmenopausalen Frauen mit koronarer Herzkrankheit wurden durch quantitative
Koronarangiographie 2243 Stenosen erfasst und ihre Änderung über eine
mittlere Beobachtungszeit von 3,1 Jahren dokumentiert. Diese Veränderungen
wurden zum Konsum an gesättigten Fettsäuren korreliert, der durch
einen semiquantitativen Fragebogen zur Verzehrshäufigkeit erfasst wurde.
Folgendes Ergebnis zeigte sich:
| Parameter |
Quartile 1 |
Quartile 2 |
Quartile 3 |
Quartile 4 |
P-Wert |
| |
(n = 58) |
(n = 59) |
(n = 59) |
(n = 59) |
|
| Ges. Fettsäuren* |
3,5 - 7,0 |
7,1 - 8,6 |
8,7 - 10,5 |
10,5 - 16,0 |
|
| Alter (Jahre) |
65 +/- 7 |
67 +/- 6 |
67 +/- 7 |
65 +/- 7 |
|
| Diabetes (%) |
19 |
24 |
20 |
31 |
|
| Raucher (%) |
8 |
8 |
17 |
34 |
|
| Bluthochdruck (%) |
75 |
66 |
69 |
62 |
|
| BMI (kg/m²) |
29 +/- 5 |
29 +/- 6 |
30 +/- 5 |
30 +/- 7 |
|
| |
|
|
|
|
|
| Energie (kcal/Tag) |
1716 +/- 578 |
1553 +/- 585 |
1708 +/- 604 |
1646 +/- 609 |
|
| Fett* |
18 +/- 3 |
22 +/- 3 |
27 +/- 4 |
32 +/- 4 |
<0,001 |
| Kohlenhydrate* |
67 +/- 7 |
61 +/- 5 |
56 +/- 5 |
48 +/- 6 |
<0,001 |
| MUFS* |
5 +/- 2 |
5 +/- 2 |
6 +/- 2 |
6 +/- 2 |
<0,001 |
| EUFS* |
7 +/- 1 |
9 +/- 1 |
11 +/- 2 |
13 +/- 2 |
<0,001 |
| Trans-Fettsäuren* |
1,0 +/- 0,4 |
1,5 +/- 0,5 |
1,7 +/- 0,6 |
2,2 +/- 0,7 |
|
| |
|
|
|
|
|
| LDL-Cholesterin** |
141 +/- 44 |
137 +/- 39 |
139 +/- 40 |
135 +/- 39 |
|
| HDL-Cholesterin** |
44 +/- 9 |
40 +/- 12 |
44 +/- 9 |
50 +/- 14 |
<0,001 |
| Triglyceride** |
201 +/- 73 |
219 +/- 93 |
210 +/- 88 |
169 +/- 77 |
<0,001 |
| Lipidsenker (%) |
36 |
42 |
37 |
26 |
|
Minimaler Durchmesser der Koronararterien - Änderung
in mm
|
-0,15 +/- 0,03 |
-0,08 +/- 0,03 |
-0,07 +/- 0,03 |
-0,06 +/- 0,03 |
0,02 |
|
Änderung der Koronarstenosen in %
|
6,0 +/- 1,0 |
3,2 +/- 1,0 |
2,9 +/- 1,0 |
2,0 +/- 1,0 |
0,009 |
* Angaben in Energie-%, ** Angaben in mg/dl
Kommentar
Die Studie mit umfangreichem Datenmaterial soll glauben machen, dass bei postmenopausalen
Frauen mit koronarer Herzkrankheit eine Diät, die relativ fettreich und
reich an gesättigten Fettsäuren ist, günstig den Verlauf von
Stenosen an Herzkranzgefäßen beeinflusst. Dieses Ergebnis kann jedoch
nicht verallgemeinert werden, da die Autoren bewusst oder unbewusst eine Patientenselektion
betrieben haben. Das mittlere Alter der in die Studie eingeschlossenen Frauen
liegt bei etwa 65 Jahren. Dies bedeutet, dass bei der überwiegenden Zahl
der Frauen eine prämature Herzkrankheit vorlag, sie also früh im Lebensalter
aufgetreten ist. Eine solch früh auftretende koronare Herzkrankheit hat
in der Regel bestimmte Ursachen. Die häufigste ist eine familiär kombinierte
Hyperlipidämie. Sie ist, je nach untersuchtem Kollektiv, für 40 -
70 % der prämatur auftretenden Herzinfarkte verantwortlich. Sie ist oft
gekennzeichnet durch eine mäßige Hypertriglyceridämie, welche
anzeigt, dass eine Kompositionsänderung von Lipoproteinen vorliegt. Diese
bedingt das extrem hohe Risiko. Diese Fettstoffwechselstörung findet sich
mindestens bei jedem 30. - 50. in unserer Bevölkerung. Beim Betrachten
der Lipidwerte in den einzelnen Quartilen wird einem mit der Beurteilung von
Fettstoffwechselstörungen Erfahrenen klar, dass ein wesentlicher Teil der
Frauen eine familiär kombinierte Hyperlipidämie mit mäßiger
Hypertriglyceridämie aufweist. Daher ist die bei diesen Patientinnen angewandte
Diät schlicht falsch, da in dieser Situation eine Ernährung, die fettarm
und kohlenhydratreich ist, die Triglyceride und damit das Risiko verschlechtert.
Die Zunahme des Fettkonsums war wesentlich auf die vermehrte Aufnahme von gesättigten
Fettsäuren zurückzuführen. Man hätte bei diesen Patienten
prinzipiell erwarten müssen, dass eine fettreichere Diät mit Einsparung
von Kohlenhydraten den Fettstoffwechsel am günstigsten verändert und
so wahrscheinlich auch zu einer verminderten Progression von Läsionen an
den Herzkranzgefäßen führt. Ein Großteil der Patienten
hätte so behandelt werden müssen, schon weil die Triglyceride und
die sie vorwiegend enthaltenden Very-low-density Lipoproteine auf Ernährungseinflüsse
rasch und deutlich reagieren können. Die Autoren finden also heraus, was
in Mitteleuropa schon lange praktiziert wird, nämlich bei Vorliegen einer
solchen Fettstoffwechselstörung fettreicher, ggf. auch mehr gesättigte
Fettsäuren zu essen. Es liegt also kein amerikanisches Paradox vor, sondern
eine Fehlinterpretation von Befunden.
Angesichts dieses schweren Einwands wiegen andere problematische Punkte wenig:
Die Aussage, dass lipidsenkende Medikamente eingenommen wurden, bringt wenig.
Wichtig wäre gewesen zu wissen, wie der Effekt war. So können Statine
LDL-Cholesterin um 20 % aber auch um 50 % senken. Wie kann man mit solchen Angaben
das initiale Risiko erkennen?
Oder wie ist zu erklären, dass Rauchen kein Risikofaktor ist? In der Gruppe
mit dem höchsten Konsum an gesättigten Fettsäuren rauchten 34
%, in der Gruppe mit dem niedrigsten Verzehr hingegen nur 8 %.
Die Kalorienangaben sind für deutlich übergewichtige Frauen sehr
niedrig. Wie kann man damit das Übergewicht erklären?
Unabhängig davon muss man feststellen, dass die Frauen nicht nach den
Kriterien des National Cholesterol Education Programm behandelt wurden. Es wird
heute weltweit bei manifester koronarer Herzkrankheit ein LDL-Cholesterin unter
100 mg/dl empfohlen. Warum dies die Ethikkommission zuließ, ist nicht
nachzuvollziehen. Die Senkung des LDL-Cholesterins hätte auch kleine, dichte
LDL vermindert, die häufig bei familiärer kombinierter Hyperlipidämie
vermehrt nachweisbar sind. Durch eine adäquate Diät, kohlenhydratärmer
und fettreicher, wären diese Partikel nicht oder in niedrigerem Ausmaß
entstanden.
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