UNSER INFORMATIONSMATERIAL CD-ROM: Fett in der Ernährung Serum-Lipide (mg/dl) in Abhängigkeit
vom Bodymass-Index


Übergewicht beeinflusst die Konzentration
und Komposition nahezu aller Serum-Lipoproteine:
- Die eingeschränkte Insulinsensitivität führt
zur Manifestation oder Verschlechterung einer Hypertriglyceridämie.
- Das aus großen Fettzellen freigesetzte Cholesterinestertransferprotein
erniedrigt HDL-Cholesterin.
- Übergewicht erhöht gering LDL-Cholesterin und
kann zur Prävalenz kleiner, dichter, hochatherogener
LDL-Partikel führen.
- Übergewicht ist ein Manifestationsfaktor für die
polygene Hypercholesterinämie und die familiäre
Dysbetalipoproteinämie (Typ-III-Hyperlipoproteinämie
nach Fredrickson).
Bei Insulinresistenz ist die hemmende Wirkung des Insulins auf die
Fettmobilisation reduziert. Dieser verminderte suppressive Effekt
zeigt sich auch während des Postprandialstoffwechsels. Konsequenz
ist also, dass selbst während und nach der Nahrungszufuhr eine
Freisetzung freier Fettsäuren aus dem Fettgewebe stattfindet
und die Synthese von Very-Low-Density-Lipoproteinen (VLDL) in der
Leber unterhält. Daraus resultiert eine vermehrte Produktion
und Freisetzung der triglyceridreichen VLDL ins Blut und damit die
Entstehung oder Verschlechterung einer Hypertriglyceridämie.
Der Abbau der vermehrt freigesetzten VLDL ist bei Insulinresistenz
zusätzlich durch Verminderung der Aktivität der Lipoproteinlipase
gestört. Konsequenz daraus ist, dass die Nahrungsfette länger
im Blut verweilen und VLDL vermindert katabolisiert werden.
Die bei Insulinresistenz gesteigerte VLDL-Synthese und -Sekretion
führt zum Anstieg der Triglyceride, der VLDL-Triglyceride, des
VLDL-Cholesterins und zu einer Erniedrigung des HDL-Cholesterins.
Es besteht eine lineare Beziehung zwischen der methodisch ermittelbaren
Insulinresistenz und diesen Lipoproteinparametern. Darüber hinaus
konnte nachgewiesen werden, dass bei Insulinresistenz häufiger
kleine, dichte LDL-Partikel vorliegen: Bei Insulinresistenz finden
sich häufiger vermehrt große triglyceridreiche VLDL-Partikel.
Sie nehmen vermehrt am Cholesterinestertransferprotein-vermittelten
Austausch von neutralen Lipiden mit HDL teil, möglicherweise
werden aber auch Cholesterinester von Intermediate-Density-Lipoproteinen
(IDL) übertragen, sodass diese dann triglyceridreich werden.
Die Triglyceride könnten dann durch die Einwirkung der hepatischen
Triglyceridlipase entfernt werden, sodass schließlich kleine
lipidarme LDL-Partikel mit hoher Atherogenität entstehen.
Die Konzentration des HDL-Cholesterins wird erheblich vom Ausmaß
des Übergewichts mitbestimmt. Zwischen normal- und übergewichtigen
(BMI > 30 kg/m2) Männern findet sich ein Unterschied von 20
%, bei Frauen ist er sogar noch größer. Diese Differenzen
drücken sich entsprechend im Verhältnis Gesamt-/HDL-Cholesterin
aus. Zur Erhöhung eines niedrigen HDL-Cholesterins ist daher
die Gewichtsreduktion eine entscheidende Maßnahme. In einer
Reihe von Studien konnte durch Gewichtsreduktion tatsächlich
ein den epide miologischen Daten entsprechender Anstieg des HDL-Cholesterins
erreicht werden. Dabei ist die Gewichtsreduktion auch bei isoliert
niedrigem HDL-Cholesterin sinnvoll. Liegt jedoch gleichzeitig eine
primäre Hypertriglyceridämie vor, bleibt auch nach Gewichtsreduktion
das HDL-Cholesterin erniedrigt.
Die Gesamt- und LDL-Cholesterinkonzentration steigt mit zunehmen dem
Körpergewicht an. So fand sich in der kürzlich veröffentlichten
Framingham Offspring Study ein Unterschied im Gesamt-Cholesterin zwischen
normalgewichtigen und deutlich übergewichtigen Männern (BMI
> 30 kg/m2) von 24,0 mg/dl, im LDL-Cholesterin von 17,4 mg/dl.
Bei den Frauen betrug der Unterschied für das Gesamt -Cholesterin
14,8 mg/dl, für das LDL-Cholesterin 15,3 mg/dl. Interessanterweise
finden sich bei Patienten mit ausgeprägtem Übergewicht (>
35 kg/m2) häufig sehr niedrige Gesamt- und LDL-Cholesterinkonzentrationen,
ohne dass die Ursache dafür bekannt ist.
Zwar besteht nur eine relativ geringe Beziehung zwischen dem Ausmaß
des Übergewichts und der LDL-Cholesterinkonzentration, doch findet
sich bei einem BMI > 30 kg/m2 wesentlich häufiger das LDL-Pattern
B. Es handelt sich dabei um kleine, dichte LDL-Partikel, die eine
hohe atherogene Potenz besitzen.
Weitere 40 % der LDL-Hypercholesterinämien haben eine polygene
Ursache. Wenn in einem Individuum geringe Veränderungen von verschiedenen
Genen vorliegen, die jeweils nur zu einer mäßigen Erhöhung
der Gesamtcholesterinkonzentration führen würden, kann daraus
eine auch stärker ausgeprägte Hypercholesterinämie
resultieren. Zur Manifestation der Hypercholesterinämie müssen
jedoch zusätzlich bestimmte Faktoren aus dem Bereich des Lebensstils
hinzukommen, wie das Auftreten von Übergewicht oder eine zu fett-
oder kalorienreiche Ernährung. Dies bedeutet also, dass die Gewichtsnormalisierung
und ein bedarfsgerechter Energie- und Fettgehalt der Nahrung die LDL-Cholesterinkonzentration
nicht nur verbessert, sondern normalisieren kann, da ja dadurch der
Manifestationsfaktor ausgeschaltet wird.
Bei rein genetischen Formen der Hypercholesterinämie, wie der
heterozygoten familiären Hypercholesterinämie oder dem familiär
defekten Apolipoprotein B, kommt es durch die Entwicklung von Übergewicht
im Einzelfall zu einer deutlichen Verschlechterung der LDL-Cholesterinkonzentrationen.
In jedem Falle sinkt aber das HDL-Cholesterin und erhöht so das
kardiovaskuläre Risiko weiter.
Eine andere Fettstoffwechselstörung mit extrem hohem kardiovaskuären
Risiko, bei der das Übergewicht ebenfalls erst zur Manifestation
führt, ist die familiäre Dysbetalipoproteinämie (Typ-III-Hyperlipoproteinämie
nach Fredrickson).
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