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Foliensatz mit Begleittexten:
Essen mit Genuss und Verstand - Fett ist nicht gleich fett

Essen wird erlernt

Wir alle essen gern, was uns schmeckt - nur gesundheitliche Gründe (z. B. Übergewicht und dessen Folgen) halten uns zurück. So weiß jeder, dass es nicht gesund sein kann, täglich 3 Tafeln Schokolade und noch 4 Tortenstücke zu essen, um abends mit "Pommes und Mayo" fortzufahren. Und "was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht" gilt nicht nur für den Bauern. Gebackene Engerlinge sind in manchem Land eine Spezialität - bei uns sicher nicht.

Dass Essen erlernt wird, ergibt sich schon aus zwei Erkenntnissen:

- Eskimos haben ganz andere Essgewohnheiten als Chinesen und die wiederum ganz andere als wir in Deutschland

- Im Jahr 1900 lagen sicher nicht Pizza und Currywurst an der Spitze der Hitliste der bevorzugten Lebensmittel der Jugendlichen, da diese Produkte bei uns gar nicht bekannt waren.

Die Vorlieben für bestimmte Lebensmittel ändern sich laufend, die Hitliste von heute ist nicht die von morgen. So wird z. B. Sushi immer beliebter, möglicherweise kommt es innerhalb der nächsten 10 Jahre in die Hitliste der Jugendlichen.

Im Laufe seines Lebens ist der Mensch vielen äußeren Einflüssen unterworfen, die sein Ess- und Trinkverhalten beeinflussen. Die wichtigsten Prägungen finden zwischen der Geburt und dem Alter von ca. 12 Jahren statt.

Studien der Geschmackspräferenz lassen den Schluss zu, dass bereits beim Neugeborenen eine von Lernerfahrungen (genetisch bedingte) unabhängige Präferenz für den Süßgeschmack und eine Aversion gegen salzig, sauer und bitter besteht. Erst im Kleinkind- und Grundschulalter werden positive Reaktionen auf salzig und bitter gefunden, die auf erfahrungsbedingtes Lernen zurückgeführt werden. Eine Befragungsaktion zeigte, dass sich Geschmacksaversionen im Lebensalter zwischen 6 und 12 Jahren herausgebildet haben.

Das bedeutet aber auch, dass das Elternhaus und die Lehrer in der Schule eine gute Chance haben, den Kindern eine gesunde Ernährung nach dem Muster "Genuss mit Verstand" anzuerziehen. Tatsache aber ist, dass ganz andere Einflüsse immer mehr diese beiden "klassischen" Prägungen ersetzen. Dazu gehören z. B.

  • Werbung (TV, Radio, Internet)
  • "ideale" Figur (Essstörungen)
  • Änderung der Frauenrolle: Von der Hausfrau zur Berufstätigen
  • Essen außer Haus (auch abends: Pizza-Bringdienste)
  • Kochen lernen von den Müttern ist kaum noch beliebt (Convenience Food)
  • Fast-food-Restaurants als Treffpunkt der Jugend (gemeinschaftliches (preiswertes) Essen als Brücke für das "Wir"-Gefühl)
  • Einkaufsverhalten (vom Markt zum Supermarkt, Internet)

Immer mehr Lebensmittel werden außer Haus konsumiert, in den USA liegt der Anteil schon bei 50 %, bei uns bei ca. 30 %, Tendenz steigend.

Aber nicht nur Essen wird erlernt, auch das "Aufessen". Beobachtet man eine Katze beim Fressen, so sieht man, dass sie aufhört, wenn sie satt ist - das gilt für alle Tiere in Haushalten. Eine wilde Katze schlingt alles herunter, auch wenn sie schon satt ist - nach dem Motto: Wer weiß, wann es wieder etwas gibt. Das ist bei unserer Erziehung oft ähnlich verlaufen. Wir lernen (fast alle), den Teller leer zu essen - obwohl wir schon satt sind - das gehört sich so! Schon ein zuviel gegessenes Brot mit einer Portion Butter (8 g Fett) und einer Portion Emmentaler (45 % Fett i.Tr.: 9 g Fett) ergibt, wie unser Faltblatt "Gesund und fit: Dem Fett auf der Spur" zeigt, eine Aufnahme von über 150 kcal. Aber nur 200 kcal täglich zu viel und ohne Hunger gegessen sind im Jahr 73000 (!) kcal. Und da ein Mann ca. 2400 kcal/Tag "essen" sollte, entspricht das der empfohlenen Energieaufnahme für ca. 30 Tage.

Dass wir heute mehr Fett essen als vor 100 Jahren, liegt an zwei Dingen:

- Fetthaltige Produkte wie Fleisch, Wurst und Käse sind heute nicht mehr so teuer wie vor 100 Jahren, als ein gutes Stück Fleisch nur am Wochenende gegessen wurde. - Fett ist neben Salz der wichtigste Aromaverstärker: Käse mit 60 % Fettanteil in der Trockenmasse schmeckt fast jedem wesentlich besser als ein Magerkäse. Das zeigt sich auch bei Lebensmitteln mit relativ geringem Anteil an Fett: Vollmilch (mit 3 % Fett) schmeckt wesentlich besser als Magermilch.

Es gibt viele Menschen, die bei innerer Unruhe oder angesichts zu lösender Probleme einen unwiderstehlichen Drang auf etwas Süßes oder Fettiges verspüren. Die meisten von uns haben bereits als Kinder gelernt, welche Speisen, Nahrungs- oder Genussmittel die Stimmung heben und welche nicht. Besonders deutlich tritt dieses unbewusste Wissen dann zutage, wenn wir schlechter Stimmung sind. Bemerkenswerterweise wird dann immer eine von zwei unterschiedlichen Strategien eingeschlagen, um durch eine Änderung des Essverhaltens das Stimmungstief zu überwinden: Einige Menschen verspüren einen unbändigen Wunsch nach kohlenhydratreicher, andere nach besonders fetthaltiger Kost. Bei den meisten sind es gar Leckereien, die beides enthalten (Schokolade, Chips, Erdnüsse und dgl.).

Weitere Literatur:
V. Pudel/J. Westenhöfer: Ernährungspsychologie (2. Auflage), Hogrefe-Verlag
Iglo-Forum Studien (Firma Langnese-Iglo, Hamburg)