UNSER INFORMATIONSMATERIAL Foliensatz mit Begleittexten: Fett in der Ernährung Ursachen der Hypercholesterinämie

Genau genommen bezeichnet Hypercholesterinämie eine Erhöhung
der LDL-Cholesterinkonzentration im Blut.
Familiäre Hypercholesterinämie
Zugrunde liegt eine Mutation des LDL-Rezeptorgens. Bei der homozygoten
Form (Häufigkeit 1 : 1.000.000) liegen de facto keine funktionsfähigen
LDL-Rezeptoren vor, bei Heterozygotie (Häufigkeit 1 : 500)
ist die Aktivität der LDL-Rezeptoren auf die Hälfte reduziert.
LDL können daher nicht in ausreichendem Umfang in die Zellen
aufgenommen und verstoffwechselt werden. Als Konsequenz kommt es
bei den homozygoten Patienten zu einem Anstieg der LDL-Cholesterinkonzentration
im Blut auf Werte von 6001.000 mg/dl, bei der heterozygoten
Form auf Werte von 350650 mg/dl. Bei der homozygoten Form
ist mit dem ersten Herzinfarkt vor dem 30. Lebensjahr zu rechnen,
bei der heterozygoten Form kommt es bei Männern, wenn keine
ausreichende Behandlung erfolgt, zum Auftreten des ersten Herzinfarktes
meistens zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Im Alter von 60 Jahren
haben 70 % der Männer und 45 % der Frauen klinische Zeichen
einer koronaren Herzerkrankung. Der Erbgang ist autosomal dominant.
Eine fettmodifizierte Ernährung ist trotz immer notwendiger
medikamentöser Therapie und ggf. LDL-Apheresebehandlung die
Grundlage der Behandlung.
Familiärer Defekt des Apolipoprotein B-100
LDL können nicht in normalem Umfang über den LDL-Rezeptor
verstoffwechselt werden, da der Austausch einer Aminosäure,
z. B. an Position 3.500, 3.531 oder 3.405 des Apolipoproteins B-100
zum Verlust der Bindungsfähigkeit an das Rezeptorprotein führt.
In der Regel liegen heterozygote Formen vor, sodass etwa die Hälfte
der LDL noch normal an den LDL-Rezeptor binden können. IDL
werden, da sie im Gegensatz zu LDL noch Apolipoprotein E enthalten,
normal abgebaut. Die LDL-Cholesterinkonzentration im Serum variiert
sehr stark. Neben nur mäßig erhöhten Konzentrationen
werden auch Werte wie bei heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie
gefunden. Das kardiovaskuläre Risiko wird durch die Höhe
des LDL-Cholesterins bestimmt. Der Erbgang ist autosomal dominant.
Bei mäßiger Ausprägung ist die Behandlung mit Ernährungsumstellung
ausreichend, bei schwereren Formen ist zusätzlich die Verabreichung
von antilipämischen Medikamenten, bei manifester koronarer
Herzkrankheit ggf. auch die regelmäßige Durchführung
einer LDL-Apherese notwendig.
Polygene Hypercholesterinämie
Geringe Veränderungen von verschiedenen Genen, die für
Enzyme und Eiweiße kodieren, die im Fettstoffwechsel eine
Rolle spielen, liegen dieser Fettstoffwechselstörung zugrunde.
Sie führen jedoch nur zu einer allenfalls geringen Erhöhung
der LDL-Cholesterinkonzentration. Erst mit Über- und Belastung
des Stoffwechsels durch so genannte Manifestationsfaktoren kommt
es zum Auftreten einer u. U. stark ausgeprägten LDL-Hypercholesterinämie.
Solche Manifestationsfaktoren sind Übergewicht, die Entwicklung
eines Diabetes mellitus, eine zu fett- oder kalorienreiche Ernährung,
eine zu hohe Zufuhr an gesättigten Fettsäuren, Schilddrüsenfunktionsstörungen
oder auch bestimmte Medikamente. Es handelt sich großenteils
um Ursachen, die eine sekundäre LDL-Hypercholesterinämie
auslösen können (siehe unten). Bei etwa 40 % aller Hypercholesterinämien
soll eine polygene Ursache zugrunde liegen. Sie ist die häufigste
Form der LDL-Hypercholesterinämie in der ärztlichen Praxis.
Ist eine fehlerhafte Ernährung der Manifestationsfaktor, dann
kann durch Korrektur eine sehr deutliche Verringerung der LDL-Cholesterinkonzentration
bis in den Normbereich erreicht werden. Liegt ein anderer Manifestationsfaktor
vor, der sich nicht ausschalten lässt, ist die Ernährungsumstellung
die Grundlage der Behandlung.
Apolipoprotein E-Polymorphismus
Bei Vorliegen des Apolipoprotein-Phänotyps E 4/4 oder E 3/4
wird das Nahrungscholesterin, das normalerweise nur zu 50 % resorbiert
wird, in einem höheren Ausmaß vom Körper aufgenommen.
Da die Leberzelle dann weniger LDL aus dem Blut zur Deckung des
Cholesterinbedarfs benötigt, resultiert daraus eine Erhöhung
der LDL-Cholesterinkonzentration im Blut. Darüber hinaus konnte
gezeigt werden, dass auch eine schnellere Aufnahme der Chylomikronen-Remnants
in die Leber erfolgt. Der Apolipoprotein-E-Polymorphismus soll für
etwa 7 % der LDL-Hypercholesterinämien verantwortlich sein.
Betroffene sollen auf diätetische Maßnahmen besonders
gut ansprechen.
Familiär kombinierte Hyperlipidämie
Die Leberzelle synthetisiert kleine triglyceridarme, damit Apolipoprotein-B-100-reiche
VLDL-Partikel, die eine hohe atherogene Potenz haben. Da im Gegensatz
zur familiären Hypertriglyceridämie auch mehr Apolipoprotein
B-100 synthetisiert wird, werden mehr VLDL-Partikel ins Blut abgegeben.
Intermittierend kann auch die Triglycerid-Synthese in der Leber
gesteigert sein, sodass sich die Störung entweder als Hypertriglyceridämie,
LDL-Hypercholesterinämie oder gemischte Hyperlipidämie
manifestieren kann. Die Erhöhung der Se-rumkonzentrationen
von Cholesterin und Triglyceriden ist meist nur gering ausgeprägt
(200300 mg/dl). Es konnte bisher kein definierter genetischer
Defekt nachgewiesen werden, wahrscheinlich handelt es sich um eine
Fettstoffwechselstörung mit unterschiedlichen Ursachen. So
kann neben der Produktion abnormer VLDL, wie dargestellt, auch der
Abbau der VLDL gestört sein. Auch fanden sich bei einer Reihe
von Patienten mit familiärer kombinierter Hyperlipidämie
kleine, dichte LDL, die wahrscheinlich eine ausgeprägte atherogene
Potenz ha-ben. Der Erbgang ist autosomal dominant. Typisch ist in
der Familienanamnese, dass Herzinfarkte vor dem 60. Lebensjahr aufgetreten
sind. Hinweisend und für die Abgrenzung zur familiären
Hypertriglyceridämie nützlich ist, dass in der Familie
Verwandte 1. Grades unterschiedliche Fettstoffwechselstörungen
(Hypercholesterinämien, Hypertriglyceridämien, gemischte
Hyperlipoproteinämien) aufweisen. Die Häufigkeit in der
Bevölkerung liegt bei 1 : 200. Die familiäre kombinierte
Hyperlipidämie ist die häufigste Fettstoffwechselstörung
bei Patienten mit einem Herzinfarkt vor dem 60. Lebensjahr.
Rein ernährungsbedingte LDL-Hypercholesterinämien
Ein meist geringer Anstieg der LDL-Cholesterinkonzentration kann
durch fehlerhafte Ernährung (zu hoher Energiegehalt, zu viel
Fett, zu viel gesättigte Fettsäuren und Cholesterin) verursacht
sein. In 40 % aller Hypercholesterinämien soll die falsche
Ernährung die alleinige Ursache sein. Selbstverständlich
ist in diesen Fällen die Ernährungsumstellung die einzige
Therapiemaßnahme.
Sekundäre Ursachen
Akute intermittierende Porphyrie
Anorexia nervosa
Benigne monoklonale Gammopathie
Cholestase
Glykogenosen Typ I, III und VI
Hypothyreose
Hepatom
Idiopathische Hypercalciämie
Lymphom
Morbus Cushing
Niereninsuffizienz
Nephrotisches Syndrom
Plasmozytom
Progerie (Werner-Syndrom)
Systemischer Lupus erythematodes
Medikamente
Amiodaron
Androgene
b-Blocker
Chlorpromazin
Chlorthalidon
Ciclosporin A
Corticosteroide
Gestagene
Piretanid
Thiazide
Bei sekundären LDL-Hypercholesterinämien geht es in der
Therapie in erster Linie um die Ausschaltung der Ursache. Falls
dies nicht möglich ist, muss eine Behandlung wie bei primären
LDL-Hypercholesterinämien durchgeführt werden, also auch
die Ernährung umgestellt werden.
Die angegebenen Prozentzahlen zur Häufigkeit der einzelnen
Fettstoffwechselstörungen stellen eine Schätzung dar.
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