UNSER INFORMATIONSMATERIAL Foliensatz mit Begleittexten: Fett in der Ernährung w-3-Fettsäuren in der Sekundärprävention -
GISSI-Prevenzione Trial
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Im GISSI-Prevenzione Trial1
erhielten Patienten (ohne Altersbegrenzung) mit gerade durchgemachtem
Herzinfarkt täglich entweder 850-882 mg w-3-Fettsäuren
oder 300 mg Vitamin E oder beides.
2.836 Patienten nahmen zusätzlich ausschließlich
Fischöl, 2.830 Patienten hingegen beide Supplemente. Die
primären Endpunkte waren definiert als:
- Gesamtmortalität, nicht-tödliche Herzinfarkte,
nicht-tödliche Schlaganfälle;
- Kardiovaskuläre Todesfälle, nicht-tödliche
Herzin-farkte und nicht-tödliche Schlaganfälle.
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Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 3,5 Jahren zeigte
sich bei der Auswertung aller Patienten, die w-3-Fettsäuren
erhalten hatten, gegenüber jenen die Placebo oder ausschließlich
Vitamin E einnahmen (2-Gruppen-Analyse), eine statistisch signifikante
Verringerung der primären Endpunkte um 10 und 11 %. Wurden nur
die Patienten, die ausschließlich zusätzlich w-3-Fettsäuren
einnahmen, mit der Kontrollgruppe verglichen (4-Gruppen-Analyse),
waren es 15 % und 20 %. Die Verringerung der primären Endpunkte
war ausschließlich auf die Abnahme kardiovaskulärer Todesfälle
zurückzuführen (17 % in der 2-Gruppen-Analyse und 30 % in
der 4-Gruppen-Analyse). Nicht-tödliche Ereignisse wurden hingegen
nicht beeinflusst. Der Effekt der w-3-Fettsäuren-Gabe
war bereits nach spätestens 60 Tagen nachweisbar.
Diese Studie zeigt erstmals, dass mit einer Supplementierung von Eicosapentaen-
und Docosahexaensäure (Verhältnis 1,23:1) tödliche
kardiale Ereignisse bei Patienten mit manifester koronarer Herzkrankheit
vermindert werden können.
Günstige Effekte von vermehrtem Fischkonsum auf kardiale Ereignisse
hatten sich schon früher zeigen lassen. In der Zutphen-Studie2
wurde bei 852 Männern im mittleren Alter, die keinen Hinweis
für das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit hatten, unter
Mithilfe der Ehefrauen die Ernährungszusammensetzung evaluiert.
In den darauf folgenden 20 Beobachtungsjahren starben 78 Männer
an der koronaren Herzkrankheit. Bei der Korrelation des koronaren
Risikos zeigte sich eine inverse Beziehung zum Fischkonsum vor der
Beobachtungsperiode. Auch wenn für eine Reihe anderer Faktoren
korrigiert wurde, blieb diese Beziehung bestehen. Bei Männern,
die angaben, mindestens 30 g Fisch pro Tag zu essen, war die Sterblichkeit
durch die koronare Herzkrankheit um mehr als 50 % niedriger als bei
jenen, die angaben, nie Fisch zu essen. Es wurde daraus geschlossen,
dass eine oder zwei Seefischmahlzeiten pro Woche präventiv bezüglich
der koronaren Sterblichkeit sein könnten.
Im Diet and Reinfarction Trial (DART) erhielten 2.033 Männer
(mittleres Alter 56 Jahre), die mit einem akuten Herzinfarkt hospitalisiert
worden waren, randomisiert eine Beratung für drei verschiedene
Maßnahmen3:
- Fettreduktion und Erhöhung des P/S-Quotienten in der Nahrung
- Mehr Fisch essen
- Mehr Ballaststoffe mit Cerealien aufnehmen.
Die Gesamtsterblichkeit war in der Gruppe, die mehr Fisch essen
sollte, in den darauf folgenden zwei Jahren signifikant um 29 % niedriger,
auch die Todesfälle durch eine ischämische Herzkrankheit
waren statistisch signifikant weniger (78 vs. 116). Nicht-tödliche
Herzinfarkte waren hingegen in dieser Gruppe häufiger (49 vs.
33), auch wenn statistische Signifikanz nicht erreicht werden konnte.
In Gruppe I wurde durch den Ernährungsratschlag Cholesterin nur
um 3-4 % gesenkt, sodass Effekte auf den Verlauf der koronaren Herzkrankheit
nicht erwartet werden konnten. Nicht-tödliche Infarkte waren
aber in dieser Gruppe mit 35 vs. 47 seltener.
20.551 männliche Ärzte im Alter von 40 - 84 Jahren, ohne
Hinweis für das Vorliegen eines Herzinfarkts, eine cerebrovaskuläre
Erkrankung oder Krebs, gaben in einem Fragebogen Auskunft über
den Fischkonsum. Anschließend wurden sie 11 Jahre lang beobachtet
und die Häufigkeit an plötzlichem Herztod (Tod innerhalb
einer Stunde nach Beginn der Symptome) dokumentiert4.
Es traten 133 plötzliche Herztodesfälle auf. Nach Korrektur
für das Alter, Aspirin- oder
b-Carotin-Einnahme und koronare Risikofaktoren fand sich mit
zunehmendem Fischkonsum eine Verminderung des Risikos für den
plötzlichen Herztod: Männer, die mindestens einmal pro Woche
Fischkonsum angaben, hatten ein relatives Risiko (verglichen mit einem
Konsum seltener als monatlich) für den plötzlichen Herztod
von 0,48 (95 % Konfidenz-
intervall 0,24-0,96, P = 0,04). Der Fischkonsum oder die Aufnahme
von w-3-Fettsäuren war nicht mit dem
Auftreten von Herzinfarkten, nicht-plötzlichem Herztod oder der
gesamten kardiovaskulären Mortalität korreliert. Dagegen
fand sich eine Beziehung zur Gesamtsterblichkeit (P = 0,045).
Bei 76.283 Teilnehmern der Nurses' Health Study wurde 1984 mittels
eines Fragebogens der Verzehr an a-Linolensäure,
einer pflanzlichen w-3-Fettsäure,
aus der im Körper teilweise Eicosapentaen- und Docosahexaensäure
entsteht, und einer Reihe anderer wichtiger Nahrungsbestandteile ermittelt5.
In den darauf folgenden Jahren wurden 232 Todesfälle durch eine
ischämische Herzkrankheit und 597 nicht-tödliche Herzinfarkte
dokumentiert. Nach Korrektur für das Alter, andere koronare Risikofaktoren
sowie die Aufnahme u. a. von Linolsäure fand sich in der Gruppe
mit dem höchsten a-Linolensäure-Verzehr
ein deutlich erniedrigtes Risiko für Todesfälle durch die
ischämische Herzkrankheit (relatives Risiko 0,55). Das relative
Risiko in den fünf untersuchten Gruppen (vom niedrigsten (0,71
g/Tag) zum höchsten (1,36 g/Tag) Verzehr) war 1,0, 0,99, 0,90,
0,67 und 0,55 (P für Trend 0,01). Keine wesentliche Beziehung
fand sich zwischen dem Verzehr an a-Linolensäure
und den nicht-tödlichen kardialen Ereignissen. Diese Studie zeigt
in einem epidemiologischen Ansatz, dass die w-3-Fettsäure
a-Linolensäure bei Patientinnen ohne
manifeste koronare Herzkrankheit zu einem geringeren Risiko für
Tod durch eine ischämische Herzkrankheit führt. Keine Beziehung
fand sich zu nicht-tödlichen Herzinfarkten. Das Verhältnis
zwischen w-3-Fettsäuren und der Linolsäure
war in den Gruppen mit dem niedrigsten und höchsten Risiko nicht
wesentlich unterschiedlich.
Für den günstigen Effekt auf die tödlichen kardialen
Ereignisse wird eine antiarrhythmogene Wirkung diskutiert. Der generelle
Prozess der Atherosklerose scheint, wie der fehlende Effekt auf die
nicht-tödlichen Infarkte und der Verlauf in koronarangiographisch
kontrollierten Interventionsstudien zeigt6,7,
kaum beeinflusst zu werden. Mit w-3-Fettsäuren
kann daher möglicherweise (weitere umfangreiche Untersuchungen
sind zur Bestätigung noch erforderlich) eine präventive
kardiale Wirkung über einen anderen Wirkungsmechanismus ausgeübt
werden als durch w-6-Fettsäuren mit
ihrem Einfluss vor allem über den Fettstoffwechsel.
Die Wirkung der w-3-Fettsäuren scheint,
wie das GISSI-Prevenzione Trial zeigt, durch zusätzliche Gabe
erreicht zu werden, eine Verringerung der w-6-Fettsäuren
war nicht Voraussetzung.
Literatur
1Gissi-Prevenzione Investigators:
Dietary supplementation with n-3 polyunsaturated
fatty acids and vitamin E after myocardial infarction: results of
the GISSI-Prevenzione trial.
Lancet 354 (1999) 447-455
2Kromhout, D., E. B. Bosschieter, C. de Lezenne Coulander:
The inverse relation between fish consumption and 20-year mortality
from coronary heart disease.
N. Engl. J. Med. 312 (1985) 1205-1209
3Burr, M. L., A. M. Fehily, J. F. Gilbert, et al.:
Effects of changes in fat, fish, and fibre intakes on death and myocardial
reinfarction: diet and reinfarction trial (DART).
Lancet II (1989) 757-761
4Albert, C. M., C. H. Hennekens, C. J. O'Donnell,
et al.:
Fish consumption and risk of sudden cardiac death.
JAMA 279 (1998) 23-28
5Hu, F. B., M. J. Stampfer, J. E. Manson, et al.:
Dietary intake of a-linolenic acid and
risk of fatal ischemic heart disease among women.
Am. J. Clin. Nutr. 69 (1999) 890-897
6Sacks, F. M., P. H. Stone, C. M. Gibson, et al.:
Controlled trial of fish oil for regression of human coronary atherosclerosis.
HARP Research Group.
J. Am. Coll. Cardiol. 25 (1995) 149-1498
7von Schacky, C., P. Angerer, W. Kothny, K. Theisen,
H. Mudra:
The effect of dietary omega-3 fatty acids on coronary atherosclerosis.
A randomised, double-blind, placebo-controlled trial.
Ann. Intern. Med. 130 (1999) 554-562
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