UNSER INFORMATIONSMATERIAL Foliensatz mit Begleittexten: Fett in der Ernährung Nahrungsfette

Nahrungsfette sind ein wichtiger Bestandteil in unserer
täglichen Ernährung. Sie werden aus ernährungsphysiologischen
und küchentechnischen Gründen verwendet. Die Einsatzmöglichkeiten
sind vielseitig.
Nahrungsfette werden anhand ihres Aggregatzustandes, nach ihrer
Herkunft und anhand verschiedener Herstellungsverfahren sowie ihrer
ernährungsphysiologischen Eigenschaften unterschieden.
Sind Nahrungsfette bei 20 °C fest oder halbfest, spricht man
von Speisefetten, sind sie bei 20 °C flüssig,
spricht man von Speiseölen. Verantwortlich für
den Schmelzpunkt und damit ausschlaggebend für die Konsistenz
eines Fettes oder Öles ist sein Fettsäurespektrum. Dabei
gilt: Je höher der Anteil gesättigter Fettsäuren,
desto höher ist der Schmelzpunkt und desto länger bleibt
ein Fett unter steigenden Temperaturen fest. Es gibt Fette, die
von Natur aus bei 20 °C fest sind (z. B. Palmöl, Palmkernöl
(diese werden aber als Öl und nicht als Fett bezeichnet, weil
sie in den Tropen, wo sie gewonnen werden, wegen der höheren
Temperaturen flüssig sind), Kokosfett und Kakaobutter, die
meisten tierischen Fette) und solche, die durch spezielle Härtungs-
bzw. Modifikationsverfahren zu festen (konsistenten) Fetten geworden
sind.
Je nach Herkunft werden tierische und pflanzliche
Speisefette und Speiseöle unterschieden.
Vom Herstellungsverfahren her trennt man im We-sentlichen native,
nicht raffinierte, raffinierte, gehärtete, umgeesterte, und
fraktionierte Speisefette und -öle.
Native/kaltgepresste Speisefette und -öle werden
aus nicht vorgewärmter Rohware durch Pressen ohne Wärmezufuhr
oder durch andere schonende mechanische Verfahren gewonnen. Sie
können gewaschen und filtriert oder zentrifugiert sein. Sie
sind jedoch weder entsäuert (Entfernung der freien Fettsäuren)
noch gebleicht (Entfernung unerwünschter Farbstoffe) oder desodoriert
(bzw. gedämpft; Entfernung unerwünschter Geruchs- und
Geschmacksstoffe). Sie haben daher meist einen deutlichen Eigengeschmack
und Geruch sowie eine intensive Farbe. Fettbegleitstoffe sind noch
enthalten. Für Olivenöle und Kakaobutter gelten besondere
Bestimmungen.
Nicht raffinierte Speisefette und -öle werden
durch Ausschmelzen oder schonende mechanische Verfahren wie Pressen
oder Zentrifugieren gewonnen. Sie können gewaschen und/oder
mit Wasserdampf behandelt, getrocknet und filtriert oder zentrifugiert
sein. Sie sind jedoch weder entsäuert noch gebleicht oder desodoriert.
Wasserdampf wird nur in einem solchen Umfang angewendet, wie es
zur Verbesserung der Haltbarkeit notwendig ist.
Raffinierte Speisefette und -öle werden in der
Regel durch Extraktion mit Hilfe von Lösungsmitteln gewonnen
und sind entschleimt [Entfernung von Schleimstoffen (Phosphatiden)],
entsäuert und desodoriert. Sie können auch gebleicht und/oder
fein filtriert sein. Das Ergebnis der Raffination ist ein farblich,
geschmacklich und geruchlich neutrales Fett oder Öl, das unmittelbar
verwendet oder als Rohstoff für andere Produkte wie z. B. die
Margarine dient.
Gehärtete Speisefette und -öle sind raffinierte
Speisefette und- öle oder Mischungen, deren Fettsäuren
durch Anlagerung von Wasserstoff in Gegenwart von Katalysatoren
(Hydrierung) verändert werden. Dabei werden physikalische und
ernährungsphysiologische Eigenschaften verändert.
Umgeesterte Speisefette und -öle sind raffinierte
Speisefette und -öle oder Mischungen, die unter Einwirkung
von Katalysatoren hergestellt werden. Dabei wird die Anordnung der
Fettsäuren in den Triglyceriden verändert. Dadurch kann
das Schmelzverhalten beeinflusst werden.
Fraktionierte Speisefette und -öle werden aus
raffinierten oder nicht raffinierten Speisefetten und -ölen
durch Abkühlen und anschließendes Abtrennen der höher
(Stearine) von niedriger (Oleine) schmelzenden Anteile hergestellt.
Dies geschieht auch unter Verwendung von Lösungs- oder Netzmitteln.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist die Fettsäurezusammensetzung
und hier insbesondere der Gehalt an essenziellen Fettsäuren
entscheidend (siehe Tabelle weiter unten).
Tierische Speisefette und Speiseöle
Die tierischen Speisefette und -öle werden in die Kategorien
Milchfette, Schlachttierfette und Seetieröle eingeteilt. Je nach
Herkunft spricht man von Milch- oder Körperfetten.
Milchfette
Die Milchfette haben in der aus Kuhmilch gewonnenen Butter ihren Hauptvertreter,
die Milch anderer Tiere ist für die Nahrungsfettproduktion von
untergeordneter Bedeutung. Es gibt mild gesäuerte Butter sowie
Süß- und Sauerrahmbutter in verschiedenen Handelsklassen
und Fettgehalten (z. B. Halbfettbutter), gesalzen und ungesalzen.
Butterschmalz als weiteres wichtiges Milchfett wird durch Ausschmelzen
der Butter gewonnen, wobei Wasser und Eiweißstoffe entfernt
werden. Butterschmalz ist daher haltbarer als Butter und wird besonders
zum Braten verwendet.
Schlachttierfette
Schlachttierfette sind Nebenprodukte der Fleischgewinnung. Sie werden
als solche (z. B. Speck, gepökelt oder geräuchert) oder
ausgelassen als Schmalz, Flomen oder Talg angeboten. Diese tierischen
Speisefette werden nach der Art des Schlachttieres oder Schlachtgeflügels
bezeichnet, z. B. Schweinespeck, Schweineschmalz, Gänseschmalz,
Rinderfett, Rindertalg. Bei Mischungen aus tierischen Speisefetten
wird üblicherweise darauf hingewiesen, welche tierischen Speisefette
in den Mischungen enthalten sind. Gebräuchlich sind auch die
zusätzlichen Bezeichnungen Speisefett oder Hinweise auf den Verwendungszweck,
z. B. Kochfett, Bratfett, Siede- oder Frittierfett, Backfett, Cremefett,
Glasurfett. Die meisten dieser Schlachttierfette zeichnen sich durch
einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren und der einfach
ungesättigten Ölsäure aus. Das Fettsäurespektrum
ist in eher geringem Umfang über das Futter der Tiere beeinflussbar.
Seetieröle
Seetieröle entstehen überwiegend als Beiprodukte des Fischfangs.
Die Bezeichnung als Seetieröl oder Speiseöl ist bei diesen
Ölen nicht üblich. Sie werden als Fischöl oder Fischtran
oder durch Angabe der Fischart (z. B. Heringsöl, Lachsöl)
bezeichnet. Bei gehärteten Fischölen sind die vorgenannten
Bezeichnungen nur üblich, wenn bei der Härtung die sinnfälligen
Eigenschaften des Geruchs und Geschmacks des unbehandelten Öls
erhalten geblieben sind. Fette ohne diese sinnfälligen Eigenschaften
des Geruchs und Geschmacks werden als Speisefett, Siede- oder Frittierfett
etc. jeweils mit dem Zusatz "tierisch" bezeichnet.
Seetieröle haben große Anteile an hoch ungesättigten
Fettsäuren (bis zu sechs Doppelbindungen). Diese Öle sind
in nativem Zustand äußerst oxidationsempfindlich und unterliegen
deshalb einem raschen Verderb. Früher wurden sie in gehärteter
Form häufig Speisefetten zugesetzt. Heute finden sie kaum noch
Verwendung.
Pflanzliche Speisefette und Speiseöle
Pflanzliche Speisefette und -öle werden aus fetthaltigen, pflanzlichen
Rohstoffen gewonnen. Nach ihrer Herkunft unterscheidet man Fruchtfleischfette
und Samenfette. Wichtige Vertreter der Fruchtfleischfette sind Palmöl
und Olivenöl, der Samenfette Rapsöl, Sonnenblumenöl,
Sojaöl und Maiskeimöl. Der Fettgehalt verschiedener Früchte,
Keimlinge und Samen schwankt zwischen 11 % und 70 %.
Pflanzliche Speisefette und -öle werden als Speise-fett/-öl,
Pflanzenfett/-öl oder durch das Wort Fett/Öl in Verbindung
mit dem Verwendungszweck bezeichnet,
z. B. Koch-, Brat- oder Siedefett/-öl. Pflanzliche Speise-fette
und -öle aus einer einzigen Rohware (sog. Einöl-produkte)
werden auch nach ihrer botanischen Herkunft bezeichnet, z. B. Kokosfett,
Sonnenblumenöl, Rapsöl, Sojaöl. Diese Bezeichnungen
sind auch dann zulässig, wenn nicht mehr als 3 % Speisefette
und -öle anderer Herkunft enthalten sind, die bei der Gewinnung
oder Herstellung unvermeidbar untergemischt worden sind.
Margarine
Margarine besteht - ebenso wie Butter - aus einer "Fettphase"
und einer "Wasserphase". In der Fettphase sind neben den
fettlöslichen Vitaminen A, D und E, pflanzlichen Emulgatoren
(z. B. Lecithin) und dem Farb-stoff b-Carotin heute nur noch pflanzliche
Speisefette und -öle enthalten. Tierische Speisefette, -öle
und Emulgatoren werden, auch wenn rein theoretisch zulässig,
schon seit langem in Deutschland nicht mehr eingesetzt. Die Wasserphase
besteht aus Wasser und/oder entrahmter Milch oder Sauermolke oder
Buttermilch, Säureregulatoren wie Citronensäure, Milchsäure
oder Zitronensaft. Zur Geschmacksabrundung kann in geringen Mengen
Speisesalz beigegeben sein.
Zur Fettsäurezusammensetzung einzelner Margarinetypen siehe
Folie 46.
Folie 39 zeigt Durchschnittswerte für die Fettsäurezusammensetzung
von verschiedenen Lebensmitteln. Die folgende Tabelle stellt hingegen
Durchschnittswerte der Fettsäurezusammensetzung von verschiedenen
Nahrungsfetten zusammen.
|
Fettsäurezusammensetzung von Nahrungsfetten
(Durchschnittswerte in % bezogen auf den Fettgehalt)
|
Fettart |
Gesättigte
Fettsäuren |
Einfach
ungesättigte
Fettsäuren |
Mehrfach
ungesättigte
Fettsäuren |
Trans-
Fettsäuren |
| Tierische Fette |
|
|
|
|
| Rindertalg |
49 |
42 |
5 |
4 |
| Schweineschmalz |
43 |
46 |
10 |
1 |
| Geflügelfett |
36 |
36,5 |
27,5 |
- |
| Heringsöl |
28 |
54 |
17 |
1 |
| |
|
|
|
|
| Pflanzenfette |
|
|
|
|
| Kokosfett |
90,5 |
7 |
2,5 |
- |
| |
|
|
|
|
| Pflanzenöle |
|
|
|
|
| Sojaöl |
14,5 |
21,5 |
64 |
- |
| Olivenöl |
14 |
75,5 |
10,5 |
- |
| Sonnenblumenöl |
12 |
25 |
63 |
- |
| Saflor-Distel-Öl |
9 |
13 |
78 |
- |
| Rapsöl |
6 |
63 |
31 |
- |
| Leinöl |
10 |
18 |
72* |
- |
| |
|
|
|
|
| Streichfette |
|
|
|
|
| Butter |
69 |
24 |
3 |
4 |
| Pflanzenmargarine |
40 |
34 |
25 |
1 |
Pflanzenmargarine,
linolsäurereich |
39 |
30 |
30 |
1 |
| Diätmargarine |
20 |
25 |
55 |
- |
* 58 % Linolensäure,
14 % Linolsäure
|
Seit neuerem sind auch "halbflüssige Pflanzencremes"
(Fettemulsionen) auf dem Markt. Diese sind speziell für die warme
Küche konzipiert. Sie sind häufig aromatisiert und deshalb
geschmacklich eine interessante Alternative zu den typischen festen
Pflanzenfetten und den Speiseölen. Durch den hohen Ölanteil
sind sie außerdem ernährungsphysiologisch wertvoller als
die klassischen Pflanzenfette.
Quellen und weiterführende Literatur:
Leitsätze für Speisefette und Speiseöle
der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission.
Bundesanzeiger Nr. 199 vom 24. 10. 2001
Michael Bokisch "Nahrungsfette und -öle"
- ISBN 3-8001-5817-5
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