UNSER INFORMATIONSMATERIAL Foliensatz mit Begleittexten: Fett in der Ernährung Haltbarkeit von Nahrungsfetten und -ölen

Die Haltbarkeit von Fetten und Ölen wird durch
chemische und enzymatische Reaktionen beeinträchtigt. Durch
längeres Aufbewahren findet unter Einwirkung von Wasser, Enzymen
und Mikroorganismen eine Spaltung der Fette in Glycerin und Fettsäuren
(Hydrolyse) und durch Sauerstoff und Licht eine Zersetzung der freien
Fettsäuren in Aldehyde und Ketone statt (Oxidation). Außerdem
tritt in geringem Umfang eine Polymerisation (Bildung größerer
Moleküle durch Vernetzung einzelner Fettmoleküle) ein.
Die freien Fettsäuren (z. B. Buttersäure in
der Butter), aber auch die Aldehyde und Ketone, beeinträchtigen
das Aroma und können bereits in geringer Konzentration einen
Verderb des Lebensmittels hervorrufen (ranziger Geschmack). Des Weiteren
können Fette durch Polymerisation und in Gegenwart von Wasser
(s. u.) durch Befall von Mikroorganismen verderben.
Nahrungsfette, die wasserfrei sind, wie z. B. Speiseöle, sind
relativ lange haltbar, wenn sie optimal gelagert werden (verschlossen,
kühl und dunkel). Der Hauptfeind der Fette heißt Luftsauerstoff.
Hitze können Fette dagegen recht gut vertragen, ohne Schaden
zu nehmen - die Ausnahme bilden extrem hohe Temperaturen und die häufige
Wiederverwendung von Fett, z. B. beim Frittieren. Geschmack und Geruch
verraten schnell und deutlich, ob ein Fett noch gut ist. Mikroorganismen
und Schimmelpilze finden in reinen Fetten keinen Nährboden -
nur in Fett-Wassergemischen.
Entscheidend für die Haltbarkeit von Fetten und Ölen sind
die jeweilige Fettsäurezusammensetzung, der Kontakt mit Sauerstoff
und natürlich auch die Temperatur, der das Fett oder Öl
beim Kochen oder Braten ausgesetzt wird, der Gehalt an Antioxidanzien
und Wasser unter Einfluss von Licht und Zeit sowie der Gehalt an Fettbegleitstoffen
und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen:
Fettsäurezusammensetzung
Die Doppelbindungen in den ungesättigten Fettsäuren sind
besonders reaktionsfreudig und nutzen jede Gelegenheit, eine neue
Verbindung einzugehen - besonders mit Sauerstoff. Wenn dies passiert,
kann die Kohlenstoffkette in kleinere Bruchstücke zerbrechen,
die sowohl geschmacks- als auch geruchsintensiv sind. Bei diesem Prozess
der Fettoxidation entstehen also Stoffe, die bereits in geringer Konzentration
den typisch ranzigen Geschmack hervorrufen. Lässt man z. B. Leinöl,
das bis zu 70 % a-Linolensäure
(eine Fettsäure mit drei Doppelbindungen) enthält, unverschlossen
stehen, reagiert diese Fettsäure so intensiv mit Sauerstoff,
dass das Öl innerhalb weniger Tage nach Firnis riecht und verdorben
ist. Je höher der Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren
ist, desto schneller kann ein Fett oder Öl oxidieren.
Anwesenheit von Sauerstoff
Ohne Sauerstoff kann die Autoxidation nicht ablaufen. Aus diesem Grund
wird die Lagerung von Fetten und besonders Ölen in geschlossenen
Gefäßen empfohlen. Der oxidative Fettverderb spielt also
immer dort eine besondere Rolle, wo der Luftzutritt zu den Fetten
und Ölen erleichtert wird, wie z. B. beim Braten in der Pfanne.
Dagegen weisen neuere Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass sich
beim Frittieren aufgrund des verdampfenden Wassers aus den zu frittierenden
Lebensmitteln eine Schutzschicht aus Wasserdampf auf dem Frittierfett
ausbildet und somit kaum Sauerstoff mit der Oberfläche der Fette
und Öle in Kontakt kommen kann, sodass hier der oxidative Fettverderb
nur geringe Bedeutung hat. Da verdampfendes Wasser den Luftzutritt
zu den Ölen und Fetten deutlich reduziert, wird heute z. T. auch
empfohlen, beim Braten in der Pfanne Fettemulsionen des Typs Wasser
in Öl mit ca. 80 % Fettgehalt und 18 % Wassergehalt wie Pflanzenmargarinen
oder Pflanzencremes zu verwenden.
Gehalt an Antioxidanzien
Antioxidanzien [z. B. Tocopherole (Vitamin E), Flavonoide, Carotinoide]
sind Substanzen, die eine oxidative Veränderung hemmen können.
Ihre Wirkung beruht auf der Fähigkeit, die durch Luftsauerstoff
eingeleiteten chemischen Reaktionen abzubrechen, wobei die Antioxidanzien
bei diesen Prozessen selbst verbraucht werden.
Pflanzenöle enthalten von Natur aus reichlich natürliche
Antioxidanzien wie z. B. Tocopherole und so einen "eigenen Oxidationsschutz".
Besonders guten Oxidationsschutz durch einen hohen Gehalt an Tocopherolen
haben z. B. Mais- und Weizenkeimöl sowie Sonnenblumenöl.
Aufgrund dieser Tatsache enthalten auch die aus pflanzlichen Ölen
hergestellten Erzeugnisse wie Margarinen oder Pflanzencremes bedeutende
Mengen dieser Antioxidanzien. Darüber hinaus erlaubt der Gesetzgeber
den Zusatz von Antioxidanzien wie stark tocopherolhaltigen Extrakten
(E 306), a-, g-
und d-Tocopherol
(E 307, 308, 309) zu Ölen und Fetten (mit Ausnahme von
Olivenöl und nativen Ölen) und Fettemulsionen wie Streichfetten
und Pflanzencremes. Deshalb enthalten pflanzliche Öle und Fette
und daraus hergestellte Erzeugnisse in aller Regel ausreichende Mengen
an Antioxidanzien, die bei "normaler" küchentechnischer
Verwendung hinreichenden Schutz vor oxidativen Prozessen bieten.
Tierische Fette sind im Vergleich zu pflanzlichen Fetten arm an natürlichen
Antioxidanzien, sind aber aufgrund der Fettsäurezusammensetzung
weniger oxidationsempfindlich. Die Aufnahme der gesättigten Fettsäuren
soll aber bekanntlich aus gesundheitlichen Gründen möglichst
eingeschränkt werden, sodass aus diesem Grund die Verwendung
von Ölen und Fetten mit einem sehr hohen Anteil an gesättigten
Fettsäuren in der warmen Küche nicht als ideal angesehen
werden kann, zumal beim Frittieren mit Fetten mit hohem Anteil an
gesättigten Fettsäuren nach neueren Untersuchungsergebnissen
vom Frittiergut mehr Fett aufgenommen wird, als wenn Fette und Öle
mit niedrigerem Anteil an gesättigten Fettsäuren verwendet
werden.
Temperatur
Je höher die Temperaturen steigen, desto anfälliger werden
grundsätzlich die Doppelbindungen gegenüber dem Sauerstoff.
Der Prozess der Fettoxidation findet aber auch schon bei Kühlschranktemperaturen
statt, wenn auch in sehr verlangsamtem Tempo.
Wird das Fett z. B. beim Frittieren über längere Zeit hohen
Temperaturen ausgesetzt, verbinden sich weitestgehend unabhängig
von der Oxidation einzelne Fettmoleküle rasch zu größeren
Molekülen (Fettpolymerisation), wodurch die Öle und Fette
dunkler, zähflüssiger und geschmacklich schlechter werden
und sich dann nicht mehr zum Frittieren eignen.
Dieser Vorgang ist bei Zimmertemperatur nicht zu beobachten.
Die Gefahr des Fettverderbs ist eigentlich nur beim Frittieren gegeben,
denn nur bei dieser Garmethode wird das Fett mehrfach verwendet und
dabei mehrfach auf Temperaturen um 180 °C erhitzt. Beim Grillen
im Backofen dagegen sollte die Hitze nicht zu hoch sein, damit sich
insbesondere abtropfendes Fett nicht zersetzt. Beim sachgerechten
Braten in der Pfanne werden aufgrund der hohen Wärmeabstrahlung
kaum Temperaturen über 150 °C erreicht und die Öle und
Fette in aller Regel auch nur einmal benutzt, sodass hier selbst kaltgepresste
Öle Verwendung finden können.
Wassergehalt
Für den ersten Schritt des Ranzigwerdens, die hydrolytische Spaltung
der Fette, wird Wasser benötigt. Deshalb verderben Emulsionsfette
wie Butter und Margarine (die 16-18 % Wasser enthalten) schneller
als Pflanzenöle oder Pflanzenfette, die wasserfrei sind. Für
die Autoxidation wird kein Wasser benötigt.
Licht
UV-Licht fördert die Oxidation.
Zeit
Je länger ein Nahrungsfett den äußeren Faktoren wie
Luftsauerstoff und höheren Temperaturen ausgesetzt ist, desto
schneller verdirbt es.
Gehalt an Fettbegleitstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen
Unter Fettbegleitstoffen versteht man fettähnliche Substanzen,
die im natürlichen Zellverband zusammen mit Ölen und Fetten
vorkommen (z. B. Lecithine, Kephaline, Kohlenwasserstoffe, Wachse,
Sterine, natürliche Farbstoffe wie Carotinoide, fettlösliche
Vitamine, Geruchs- und Geschmacksstoffe). Daneben können sich
in Ölen und Fetten weitere Substanzen wie Polyphenole, Phytoöstrogene,
Flavonoide oder Monoterpene befinden, die heute unter dem Begriff
"sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe" zusammengefasst werden.
Diese Stoffe wirken im Produkt und im Körper unterschiedlich
und sind unterschiedlich stabil. Deshalb sollten Gehalt, Eigenschaften
und Wirkungen derartiger Substanzen bei der Verwendung von Ölen
und Fetten in der kalten und warmen Küche mitberücksichtigt
werden.
| Hieraus resultieren die Empfehlungen, Nahrungsfette und -öle
dunkel, kühl und verschlossen aufzubewahren. |
Fettverderb durch Mikroorganismen
Bakterien brauchen zum Leben Wasser. Reine Fette und Öle sind
wasserfrei und können daher nicht durch bakteriellen Befall verderben.
Da Emulsionen, wie Margarine und Butter, aber auch Sahne und Mayonnaise
Wasser enthalten, ist ein Befall mit Mikroorganismen theoretisch möglich.
Als kritisch anzusehen sind in diesem Zusammenhang Halbfettmargarine
und Halbfettbutter, weil sie einen relativ hohen Wassergehalt haben.
In einer vorschriftsmäßig hergestellten Margarine oder
Butter sind die Wassertröpfchen jedoch so fein verteilt, dass
Bakterien nicht genügend Lebensraum haben. Dazu kommt, dass -
soweit überhaupt vorhanden - einzelne mikrobiell empfindliche
Zutaten pasteurisiert werden und der pH-Wert durch Zugabe von Säuerungsmitteln
(aus geschmacklichen Gründen) bei etwa 4 liegt.
Beim unsachgemäßen Umgang mit Streichfetten zu Hause kann
die Emulsion dahingehend beeinträchtigt werden, dass sich an
der Oberfläche mehr oder weniger große Wassertröpfchen
bilden. Hier beginnt dann der mikrobielle Befall. Besonders Schimmelpilze
können sich entwickeln, die auch im sauren Milieu der Butter
oder Margarine gedeihen können.
Außerdem können so genannte Sekundärinfektionen durch
Kontakt der Streichfette beispielsweise mit "verunreinigten"
Gegenständen (Marmelade-/Wurst-/Käsereste am Messer, mit
dem Streichfette aus dem Becher entnommen werden) entstehen.
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