UNSER INFORMATIONSMATERIAL Foliensatz mit Begleittexten: Fett in der Ernährung Erhitzen von Fetten und Ölen
Fette und Öle erreichen beim Erhitzen im Vergleich
zu Wasser erheblich höhere Temperaturen. Ihre Stabilität
gegenüber Hitze ist sehr unterschiedlich. Somit ist nicht
jedes Fett oder Öl für jedes Garverfahren geeignet.
In der Tabelle der Folie sind Beispiele für Rauchpunkte verschiedener
Fette und Öle zusammengefasst. Diese Temperaturen sind grobe
Anhaltswerte mit analysenmethodenbedingter, nur begrenzter Aussagekraft
für die thermische Stabilität von Ölen und Fetten.
Beim Rauchpunkt handelt es sich nicht um eine physikalischchemische
Konstante, sondern nur um die Temperatur, bei der ein Fett anfängt
zu rauchen. Fette und Öle sollten grundsätzlich nicht
so weit erhitzt werden, dass sie zu rauchen beginnen. Der Rauchpunkt
eines Fettes ist hauptsächlich vom Anteil freier Fettsäuren
abhängig. Je höher dieser Anteil, desto niedriger ist
der Rauchpunkt. Ein Fett oder Öl, das schon mehrmals erhitzt
wurde (z. B. beim Frittieren), hat einen höheren Gehalt an
freien Fettsäuren als ein "frisches". Native Öle
haben i. d. R. einen höheren Gehalt an freien Fettsäuren
als Raffinate, können aber, besonders wenn sie frisch sind,
auch mit Raffinaten vergleichbare, sehr geringe Gehalte an freien
Fettsäuren aufweisen. |
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Was passiert beim Erhitzen eines Fettes?
Fette verändern sich bei längerem Erhitzen. Dabei bilden
sich durch Hydrolyse freie Fettsäuren und durch Polymerisation
dimere und polymere Fette.
Die ungesättigten Fettsäuren zersetzen sich unter Bildung
von Hydroperoxiden, die schnell in Aldehyde, Ketone, Säuren usw.
zerfallen (siehe auch "Autoxidation" in Folie Nr. 48 "Verderb
von Nahrungsfetten").
Daneben kommt es durch Vernetzungen zwischen den Fettmolekülen
zu größeren Molekülen (Polymerisation). In der Praxis
kann man dies erkennen, wenn z. B. ein Öl pastös wird und
sich nur schwer aus der Bratpfanne entfernen lässt. Diese Polymere
sind schwer verdaulich und verursachen eine unansehnliche "Braunverfärbung"
und Geschmacksverschlechterung eines Fettes.
Die Temperaturstabilität eines Fettes ist hauptsächlich
von folgenden Faktoren abhängig:
- Fettsäurezusammensetzung
- Temperatur
- Dauer der Hitzeeinwirkung
- Gehalt an Antioxidanzien
- Gehalt an Fettbegleitstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen
- Eigenschaften des Bratgutes
Fettsäurezusammensetzung
Die Fettsäurezusammensetzung hat große Bedeutung für
die Stabilität eines Fettes. Fette mit einem hohen Anteil an
mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie z. B. Pflanzenöle
sind zwar ernährungsphysiologisch besonders wertvoll, aber auch
hitzeempfindlicher (oxidationsanfälliger) als Fette mit einem
geringen Anteil. Aufgrund ihrer Doppelbindungen oxidieren ungesättigte
Fettsäuren schneller als die gesättigten Fettsäuren.
Sind hohe Temperaturen über längere Zeit erforderlich, sind
hitzestabile Fette und Öle mit einem hohen Gehalt an Antioxidanzien
und einfach ungesättigten Fettsäuren empfehlenswert. Aus
geschmacklichen Gründen sollte der Gehalt an zweifach ungesättigten
Fettsäuren (Linolsäure) nicht höher als 15-20 % sein.
Fette, die hochungesättigte Fettsäuren wie die a-Linolensäure
enthalten, sind als Bratfette nicht geeignet, da deren Oxidationsanfälligkeit
sehr groß ist.
Erhitzungstemperatur
Hohe Temperaturen (wie z. B. Frittieren > 170 °C) verringern
die Haltbarkeit des Fettes. Die Autoxidation und die Bildung von freien
Fettsäuren werden beschleunigt. Beim Erhitzen über den Rauchpunkt
hinaus fängt das Fett an zu qualmen und beginnt sich dunkel zu
verfärben.
Dauer der Hitzeeinwirkung
Je länger ein Fett erhitzt wird, desto mehr freie Fettsäuren
und Polymere (vernetzte Fettmoleküle) können sich bilden.
Darüber hinaus wird der Rauchpunkt durch den zunehmenden Anteil
freier Fettsäuren gesenkt. Das Frittieren ist ein typisches Beispiel,
bei dem ein Fett mehrfach erhitzt wird. Hier ist es besonders wichtig,
sachgerecht zu arbeiten und das Fett höchstens vier- bis sechsmal
zu verwenden.
Gehalt an Antioxidanzien
Einige Antioxidanzien, wie z. B. Vitamin E, hemmen die durch Luftsauerstoff
ausgelösten oxidativen Veränderungen (siehe Text zu Folie
48 "Haltbarkeit von Nahrungsfetten und Ölen"). Citronensäure
unterstützt die Wirkung von Vitamin E synergistisch.
Gehalt an Fettbegleitstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen
Je nach Wirkungsweise und Hitzestabilität können diese Stoffe
ein Fett oder Öl temperaturstabiler oder -anfälliger machen
(siehe Text zu Folie 48 "Verderb von Nahrungsfetten und Ölen").
Eigenschaften des Bratgutes
Jedes Bratgut hat spezifische Eigenschaften. Die Menge, Höhe
oder Größe der einzelnen Stücke sowie die Nährstoffzusammensetzung
haben einen Einfluss auf die Wahl der Temperatur, Gardauer und damit
auch auf die Auswahl des Fettes.
Um z. B. ein Steak zu braten, muss eine relativ hohe Temperatur (ca.
140-150 °C) erreicht werden, damit sich die Poren des Fleisches
schließen (Eiweißgerinnung an der Oberfläche), ohne
dass die Außenfläche zu stark verkrustet. Die richtige
Oberflächenkruste bewirkt, dass das Fleisch zart und saftig bleibt.
Werden kohlenhydratreiche Lebensmittel, wie z. B. Zwiebel oder Pfannkuchen
gebraten, verkohlen diese bei hohen Temperaturen schnell.
Außerdem muss die Menge des Bratgutes in einem vernünftigen
Verhältnis zur Fettmenge stehen. Bei zu großer Menge kühlt
das Fett zu stark ab. Beim Frittieren würde sich das Frittiergut
dann voll Fett saugen oder z. B. beim Anbraten von Gulasch Fleischsaft
austreten.
Die Größe der einzelnen "Bratstücke" ist
wichtig für die Bratdauer. Als Faustregel gilt: Je dünner
ein Bratgut ist, desto höher die Temperatur und desto kürzer
die Bratzeit. Je höher (dicker) ein Bratgut ist, desto niedriger
die Temperatur und desto länger die Bratzeit.
Können erhitzte Fette gesundheitsschädlich sein?
Tierexperimente zeigen, dass der Verzehr erhitzter Fette (bis 190
°C) kein gesundheitliches Risiko bedeutet. Höhere Temperaturen
werden im Allgemeinen im Rahmen der üblichen küchentechnischen
Zubereitungsarten nicht erreicht. Erst wenn ein Fett extrem lange
oder hoch erhitzt wird, treten im Tierexperiment Zeichen einer gesundheitlichen
Schädigung auf.
Dies gilt nicht für unsachgemäße Handhabung, wie sie
z. B. oft beim Grillen zu beobachten ist. Lässt man beispielsweise
das Fett direkt auf die glühende Holzkohle tropfen, können
kritische Temperaturen von über 400 °C auf das Fett einwirken.
Erst unter solcher Hitze können sich gefährliche, Krebs
erregende, polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder
andere Fettzersetzungsprodukte wie z. B. Acrolein (Zersetzungsprodukt
von Glycerin) bilden und zum Teil auf dem Bratgut ablagern.
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