Foliensatz mit Begleittexten:
Essen mit Genuss und Verstand - Fett ist nicht gleich fett
Häufigkeit der Assoziationen zum Begriff Essen
Im Jahre 1989 gaben in einer repräsentativen Erhebung
(Westenhöfer und Pudel) die Befragten spontan an erster Stelle
zum Begriff "Essen" an, dass er mit Lust oder Genuss verbunden
sei. Rationale spontane Reaktionen zum Essen wie "Gesundheit"
oder "Vollwertkost" waren von untergeordneter Bedeutung (wie später
in Folie 4 zu sehen, ist das beim Begriff "Ernährung" ganz anders).
Was sich hinter dem Begriff "Genuss beim Essen" verbirgt, zeigte
eine Untersuchung des Iglo-Forums 1991: Nicht allein der Geschmack,
sondern viel stärker das gesamte Ambiente ist für den Genuss verantwortlich.
In den neuen Bundesländern waren sogar die Assoziationen zu den
Begriffen "die schöne Stimmung" oder "die schöne Tischdekoration"
von größerer Bedeutung als der Geschmack. Und noch etwas kam bei
dieser Iglo-Forum-Studie (verantwortlich waren Frau Dipl. oec.troph.
von Cramm und die Professoren Hamm, Kasper, Pudel) heraus: Es
gibt offenbar fünf Esstypen. Hier Auszüge aus der Studie:
Typ 1 - Der Gesundheitsbewusste
Der Gesundheitsbewusste legt auf alles Wert, was seine Mahlzeit aus
ernährungs-physiologischer Sicht wertvoll macht. Viele Vitamine, wenig
Kalorien sowie die besondere Ausgewogenheit zeichnen für ihn ein
gutes Essen aus. Dazu gehört vor allem der selbst auferlegte Verzicht
auf fett- und zuckerreiche Speisen, die in seiner Rangliste der "kleinen
Essenssünden" ganz vorn stehen. Zu dieser Gruppe gehören 21 % der
Deutschen.
Typ 2 - Der Genussmensch
Besonderen Wert legt er auf die abwechslungsreiche Zusammenstellung
seiner Mahlzeiten. Dabei versteht er es geschickt, die von Zeit zu
Zeit aufwallenden Beden-ken hinsichtlich des ernährungsphysiologischen
Wertes der von ihm bevorzugten Speisen sanft, aber bestimmt zu unterdrücken.
Gesundheitliche Aspekte spielen zwar eine Rolle, sind aber eher zweitrangig.
Dementsprechend liegen seine größten Essensprobleme darin, dass er
in einem Anflug von Heißhunger zuviel bzw. das Falsche isst. Auch
der Genuss von Alkohol stellt für ihn in gewissem Maße ein Problem
dar. Zu dieser Gruppe gehören 13 % der Deutschen.
Typ 3 - Der lust- und leidvolle Esser
Er lebt im ständigen Widerstreit zwischen freudigem Genuss und Entsagung.
Er liebt den guten Geschmack einer Mahlzeit und schätzt die Frische
der Zutaten. Essen ist ihm eine Lust. Aber er hat ein Problem mit
den Folgen des Essgenusses, seinem Gewicht. Dieser Typ lebt in einem
permanenten Kampf gegen die allgegenwärtigen Kalorien. Er isst vor
allem, um sich zu beruhigen, zu trösten oder selbst zu belohnen. Da
er zudem meist sowohl preiswert als auch ausgefallen essen möchte,
wird die Ernährung für ihn häufig sehr schwierig. Seine größten Ernährungsprobleme
- zuviel Süßes und zu häufiges Essen als Ersatzbefriedigung - lassen
ihn häufiger als andere Schlankheitskuren beginnen. Zu dieser Gruppe
gehören bereits 32 % der Deutschen.
Typ 4 - Der rationale Esser
Die Beziehung, die der rationale Esser zum Essen hat, lässt sich sehr
treffend durch die Relation "Auto-Tankstelle" wiedergeben. Für diesen
Typ stellt die Ernährung eine Notwendigkeit dar, die mit Genusserlebnissen
nicht viel gemeinsam hat. Ihm ist es relativ egal, wann er wo mit
wem zusammen isst - Hauptsache der Preis stimmt. Gleichgültig sind
ihm in der Regel auch gesundheitliche Argumente und Geschmacksaspekte,
da er sowieso der Meinung ist, dass sich Geschmack und Gesundheit
nicht miteinander vereinbaren lassen. Auf die Zusammenstellung und
den Gehalt seines Essens "verschwendet" er daher kaum einen Gedanken.
Ernährung ist für ihn keine Glaubensfrage. Zu dieser Gruppe gehören
14 % der Deutschen.
Typ 5 - Der Familienfan
Essen ist für ihn ein wichtiger sozialer Akt der Kommunikation. Er
hat eine große Vor-liebe für einen schön gedeckten Tisch, eine ansprechende
Atmosphäre sowie für viel Zeit zum Essen - allerdings immer unter
der Voraussetzung, dass er nicht allein es-sen muss. Das tut er nämlich
ungern. Obwohl man ihn eigentlich auch als Genießer bezeichnen kann,
dem der Geschmack dessen, was er zu sich nimmt, nicht egal ist, macht
ihm das alles erst in Gesellschaft richtig Spaß, vor allem in und
mit der Familie. Zu dieser Gruppe gehören 20 % aller Deutschen.
Bei diesen fünf Esstypen zeigt sich bereits, dass neben dem Begriff
"Essen" auch die "Ernährung" auftaucht. Offenbar unterscheidet Otto
Normalverbraucher zwischen diesen beiden Begriffen.
Weitere Literatur:
V. Pudel/J. Westenhöfer: Ernährungspsychologie
(2. Auflage), Hogrefe-Verlag
Iglo-Forum Studien (Firma Langnese-Iglo,
Hamburg)
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